
Das richtige Hilfsmittel finden
So gelingt der Einstieg in die Kinderhilfsmittelversorgung
Welches Hilfsmittel ist das richtige für mein Kind? Diese Frage stellen sich viele Eltern, wenn sie sich erstmals mit dem Thema Kinderhilfsmittel beschäftigen. Die Auswahl ist groß – und nicht immer leicht zu durchschauen. In diesem Beitrag erfährst du, wie du Schritt für Schritt herausfindest, welches Hilfsmittel wirklich zu deinem Kind passt, worin sich verschiedene Hilfsmittelarten unterscheiden und wer dich auf dem Weg unterstützen kann.
1. Überblick: Welche Arten von Kinderhilfsmitteln gibt es?
Kinderhilfsmittel sind so vielfältig wie die Kinder selbst. Sie begleiten den Alltag, fördern Entwicklung und Teilhabe und entlasten Familien in vielen Situationen. Um Orientierung zu finden, hilft es, die Hilfsmittel nach ihrem Einsatzbereich zu betrachten – also danach, wo und wie sie das Kind unterstützen.
Hier ein Überblick über die wichtigsten Hilfsmittelkategorien für Kinder:
- Laufen & Bewegen: Gehtrainer, Rollstühle, Reha-Buggys oder Laufhilfen – alles, was Mobilität ermöglicht und Bewegungsfreude stärkt.
- Stehen & Therapieren: Stehgeräte, Lagerungssysteme, Orthesen oder Therapiegeräte zur Förderung von Haltung, Muskelkraft und Körperwahrnehmung.
- Sitzen: Spezielle Sitzschalen, Therapiestühle und Anpassungen, die eine stabile und ergonomische Sitzposition unterstützen.
- Lagern & Transfer: Hilfen zum Umlagern, Heben oder Positionieren – etwa Lifter, Lagerungskissen oder Transfertücher.
- Waschen & Pflegen: Badeliegen, Dusch- und Toilettenstühle, Pflegemöbel – sie erleichtern die tägliche Pflege und erhöhen die Sicherheit.
- Essen & Trinken:Trinkhilfen, Greifbesteck, Teller mit Randerhöhung oder adaptive Becher, um Mahlzeiten selbstständiger zu gestalten.
- Anziehen: Anziehhilfen, Greifsysteme oder funktionelle Kleidung mit speziellen Verschlüssen, die das selbstständige Anziehen erleichtern.
- Schlafen & Entspannen: Pflegebetten, Schlafhilfen, Lagerungssysteme oder beruhigende Sinnesangebote wie Licht- und Klangsysteme.
- Kommunizieren: Talker, Symboltafeln, Tablets oder Geräte zur unterstützten Kommunikation, individuell anpassbar an die Fähigkeiten des Kindes.
- Hören & Sehen: Hörgeräte, FM-Anlagen, visuelle Unterstützungssysteme oder vergrößernde Sehhilfen, die Sinneswahrnehmung fördern.
- Spielen & Schenken: Spielzeuge und Freizeitprodukte, die motorische, kognitive oder soziale Fähigkeiten stärken und Teilhabe ermöglichen.
- Unterwegs & Fahren: Hilfsmittel für Mobilität im Freien – vom Rollstuhlrad über Fahrradanhänger bis zum Reha-Kindersitz.
- Schützen & Stützen: Helme, Schutzwesten oder Polsterungen, die Sicherheit im Alltag bieten.
- Überwachen: Geräte zur medizinischen Kontrolle, etwa Monitore, Inhalationshilfen oder Sauerstoffsysteme.
Diese Vielfalt zeigt: Hilfsmittel sind weit mehr als medizinische Produkte. Sie ermöglichen Selbstständigkeit, fördern Teilhabe und tragen dazu bei, dass Kinder ihren Alltag sicher, aktiv und mit Freude gestalten können.
Diese Einteilung hilft, den individuellen Bedarf des Kindes klarer zu erkennen: Geht es um Bewegung, um Alltagserleichterung oder um Kommunikation? So entsteht aus einem scheinbar unübersichtlichen Markt ein klarer Ausgangspunkt – eine Grundlage für Gespräche mit Ärzt:innen, Therapeut:innen und Versorger:innen, bei denen du die Bedürfnisse deines Kindes gezielt einbringen kannst.
Damit ist der erste Schritt auf dem Weg zum passenden Hilfsmittel bereits getan.
💡 Tipp: Überlege beim nächsten Termin mit Ärzt:innen oder Therapeut:innen, in welchen Bereichen dein Kind Unterstützung braucht – Bewegung, Pflege, Kommunikation oder Spiel. So lässt sich gezielt nach passenden Lösungen suchen.
2. Hilfsmittel, Pflegehilfsmittel oder Alltagsgegenstand – was ist was?
Nicht alles, was hilft, ist automatisch ein Hilfsmittel im rechtlichen Sinne. Für die Kostenübernahme ist entscheidend, in welche Kategorie ein Produkt fällt:
- Hilfsmittel gleichen eine Behinderung aus oder unterstützen eine medizinische Behandlung. Sie werden in der Regel von der Krankenkasse bezahlt (§ 33 SGB V).
- Pflegehilfsmittel erleichtern die häusliche Pflege oder fördern die Selbstständigkeit. Sie sind meist über die Pflegekasse finanzierbar (§ 40 SGB XI).
- Alltagsgegenstände sind Produkte, die alle Menschen nutzen – etwa Standardmöbel oder Spielzeug. Sie werden in der Regel nicht erstattet.
Gerade bei Kindern verschwimmen diese Grenzen oft. Ein Beispiel: Ein Reha-Buggy kann je nach Nutzung als Hilfsmittel oder als Alltagsgegenstand bewertet werden. Hilfreich ist es daher, wenn Ärzt:innen, Therapeut:innen und das Sanitätshaus gemeinsam den Bedarf beschreiben und begründen, warum genau dieses Hilfsmittel notwendig ist. So steigen die Chancen auf eine reibungslose Bewilligung.
3. Orientierung finden: Wer unterstützt bei der Auswahl?
Die Suche nach dem passenden Hilfsmittel ist Teamarbeit – und niemand muss sie allein bewältigen. Mehrere Anlaufstellen können Eltern dabei helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen:
- Therapeut:innen und Ärzt:innen kennen die körperlichen und funktionellen Bedürfnisse des Kindes und können Empfehlungen aussprechen.
- SPZ (Sozialpädiatrische Zentren) bieten interdisziplinäre Begleitung, besonders bei komplexen Bedarfen.
- Sanitätshäuser und Orthopädietechniker:innen sorgen für die praktische Umsetzung – von der Erprobung bis zur Anpassung. Achte darauf, dass sie auf Kinder spezialisiert sind.
- Andere Familien sind oft die beste Quelle für praxisnahe Erfahrungen. Im Austausch mit Eltern, die den Versorgungsprozess bereits kennen, lässt sich viel lernen.
Fazit
Das passende Hilfsmittel zu finden, braucht Zeit – aber mit der richtigen Vorbereitung und einem guten Netzwerk wird der Weg deutlich einfacher. Sprich mit Fachleuten, informiere dich über Möglichkeiten und nutze den Austausch mit anderen Familien.
Denn: Wissen stärkt. Und gemeinsam lässt sich der Hilfsmitteldschungel ein Stück klarer machen.
Tipps aus der Community
Wir möchten gerne einen Deckenlifter mit einer Laufschiene für unsere Tochter haben.
Wir haben für unser Kind gerade die Verordnung für einen Stehtrainer bekommen und sind gespannt, welches Modell uns unser Sanitätshaus vorschlägt.