Was ist das Wolf-Hirschhorn-Syndrom (WHS)?


Das Wolf-Hirschhorn-Syndrom (WHS) ist eine seltene genetische Besonderheit, die zur Gruppe der Mikrodeletionssyndrome gehört. Die Ursache ist ein teilweiser Verlust (Deletion) von genetischem Material am kurzen Arm des Chromosoms 4 (daher auch oft 4p-Syndrom genannt). Dieser kleine fehlende Abschnitt enthält wichtige Gene für die körperliche und geistige Entwicklung.

Typische Merkmale und klinisches Bild

Die Auswirkungen des Wolf-Hirschhorn-Syndroms sind komplex und betreffen viele Bereiche des Körpers. Besonders charakteristisch sind:

  • „Griechisches Helm-Profil“: Viele Kinder haben eine sehr markante Gesichtsform mit einer hohen Stirn, einer breiten Nasenwurzel und weit auseinanderliegenden Augen, was optisch an einen antiken griechischen Kriegerhelm erinnert.
  • Wachstums- und Gedeihstörungen: Schon vor der Geburt wachsen die Kinder oft langsamer. Nach der Geburt bestehen häufig Fütterstörungen und eine langsame Gewichtszunahme.
  • Entwicklungsverzögerung: Es liegt meist eine ausgeprägte geistige und motorische Entwicklungsverzögerung vor. Meilensteine wie das Sitzen oder Laufen werden deutlich später erreicht.
  • Epilepsie: Ein Großteil der Kinder (ca. 70–80 %) entwickelt eine Epilepsie, die oft im Kleinkindalter beginnt und durch Fieber getriggert werden kann.
  • Organische Beteiligung: Häufig treten Herzfehler, Nierenanomalien oder Fehlbildungen des Skelettsystems (wie eine Skoliose) auf. Auch Hör- und Sehbeeinträchtigungen sind möglich.

Hilfsmittel und Unterstützung im Alltag

Da das Wolf-Hirschhorn-Syndrom sehr individuelle Anforderungen an die Pflege und Förderung stellt, ist eine passgenaue Versorgung mit Hilfsmitteln entscheidend:

  • Sicherheit bei Epilepsie: Um das Kind bei Anfällen zu schützen, sind Epilepsie-Sensormatten für die Nacht sowie Schutzhelme für den Tag wichtige Sicherheitsfaktoren.
  • Mobilität & Aufrichtung: Bei motorischen Schwierigkeiten unterstützen individuell angepasste Reha-Buggys oder Rollstühle. Um die Knochendichte zu fördern und die Wirbelsäule zu stabilisieren, sind Stehtrainer oder Lauflernhilfen oft fester Bestandteil der Therapie.
  • Stabilität beim Sitzen: Da viele Kinder eine geringe Muskelspannung haben, bietet ein Therapiestuhl mit entsprechender Kopf- und Rumpfstütze die nötige Sicherheit beim Essen und Spielen.
  • Unterstützte Kommunikation (UK): Da die Sprachentwicklung oft stark verzögert ist, helfen Gebärden, Kommunikationstafeln oder einfache elektronische Sprachausgabegeräte dabei, die Verständigung im Alltag zu verbessern.
  • Ernährungshilfen: Bei ausgeprägten Fütterstörungen können spezialisierte Trinkbecher oder mobile Ernährungspumpen (bei Sondenabhängigkeit) die Versorgung sicherstellen und die Eltern entlasten.

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Hier findet ihr weitere hilfreiche Infos rund um das Wolf-Hirschhorn-Syndrom (WHS):

www.orpha.net