
Neurofibromatose
Die Neurofibromatose gehört zur Gruppe der Phakomatosen – das sind Erkrankungen, die vor allem die Haut, das Nervensystem und die Augen betreffen. Es handelt sich um genetisch bedingte Tumorsyndrome, bei denen sich meist gutartige Tumoren entlang der Nervenbahnen bilden können. Man unterscheidet hauptsächlich die häufige Form NF1 (Morbus Recklinghausen) und die seltenere Form NF2.
Die Ursache: Ein Defekt in der Zellwachstumsbremse
Ursache sind Mutationen in Genen, die normalerweise als Tumorsuppressoren wirken. Das bedeutet, diese Gene fungieren wie eine Bremse für das Zellwachstum:
- NF1: Mutation auf Chromosom 17 (Neurofibromin-Gen).
- NF2: Mutation auf Chromosom 22 (Merlin-Gen).
Ist diese Bremse defekt, wachsen Zellen unkontrolliert, was zur Bildung von Neurofibromen oder Schwannomen führt.
Typische Merkmale und Krankheitsverlauf
Die Symptome der Neurofibromatose sind extrem vielfältig und können von Kind zu Kind stark variieren:
- Hautveränderungen (typisch für NF1): Helle, kaffeebraune Flecken (Café-au-lait-Flecken) sind oft das erste Anzeichen. Später können weiche Vorwölbungen auf der Haut (Neurofibrome) entstehen.
- Lern- und Entwicklungsauffälligkeiten: Viele Kinder mit NF1 haben Schwierigkeiten mit der Konzentration, der Feinmotorik oder zeigen Teilleistungsstörungen (LRS, Dyskalkulie).
- Skelettveränderungen: Es können Verkrümmungen der Wirbelsäule (Skoliose) oder Verformungen der Knochen (z. B. am Unterschenkel) auftreten.
- Hör- und Sehprobleme: Bei NF2 sind oft die Hörnerven betroffen (Akustikusneurinom), was zu Schwerhörigkeit oder Gleichgewichtsstörungen führt. Bei NF1 können Tumoren am Sehnerv (Optikusgliom) das Sehvermögen einschränken.
- Lisch-Knötchen: Kleine, harmlose Pigmentanreicherungen in der Iris des Auges.
Hilfsmittel, die häufig bei Neurofibromatose zum Einsatz kommen:
Hilfsmittel und Unterstützung im Alltag
Neurofibromatose kann je nach Ausprägung mit körperlichen, neurologischen und kognitiven Einschränkungen einhergehen. Eine individuell angepasste Hilfsmittelversorgung unterstützt die Entwicklung und den Alltag:
Stabilität & Positionierung: Sitzhilfen, Orthesen oder Lagerungssysteme können helfen, Fehlhaltungen zu vermeiden und den Körper zu stabilisieren.
Mobilitätshilfen: Bei motorischen Einschränkungen unterstützen Rehabuggys, Rollstühle oder Gehhilfen dabei, sicher und möglichst selbstständig unterwegs zu sein.
Therapie & Förderung: Therapiehilfsmittel unterstützen gezielt die motorische Entwicklung, Koordination und Wahrnehmung und helfen, vorhandene Fähigkeiten zu stärken.
Sehen & Wahrnehmung: Bei Sehbeeinträchtigungen können visuelle Hilfsmittel und angepasste Umgebungen den Alltag erleichtern.
Unterstützte Kommunikation (UK): Bei Lern- oder Sprachschwierigkeiten können Kommunikationshilfen oder strukturierende Systeme die Verständigung unterstützen.
Alltag & Entlastung: Strukturierende Hilfsmittel und angepasste Lösungen helfen, den Alltag übersichtlicher zu gestalten und entlasten Kind und Familie.
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