
Was ist das Kleefstra-Syndrom?
Das Kleefstra-Syndrom ist eine seltene genetische Erkrankung, die durch eine Veränderung auf dem Chromosom 9 verursacht wird. Entweder fehlt ein winziges Stück am Ende des Chromosoms (9q34.3-Deletion) oder es liegt eine Mutation im EHMT1-Gen vor. Dieses Gen ist entscheidend für die Steuerung anderer Gene, die für die Entwicklung des Gehirns und die kognitiven Fähigkeiten verantwortlich sind.
Typische Merkmale und klinisches Bild
Das Kleefstra-Syndrom äußert sich durch eine Kombination aus körperlichen, neurologischen und verhaltensbezogenen Besonderheiten:
- Geistige Entwicklungsverzögerung: Diese ist meist moderat bis schwer ausgeprägt. Die kognitive Entwicklung verläuft deutlich langsamer als bei Gleichaltrigen.
- Sprachverzögerung: Eines der markantesten Merkmale. Viele Kinder mit Kleefstra-Syndrom sprechen nur sehr wenige Worte oder bleiben nonverbal. Das Sprachverständnis ist jedoch oft deutlich besser als die aktive Sprache.
- Muskelhypotonie: Ein niedriger Muskeltonus ("schlaffe" Muskulatur) ist im Säuglings- und Kindesalter typisch. Dies verzögert motorische Meilensteine wie das freie Sitzen, Krabbeln und Laufen.
- Verhaltensbesonderheiten: Häufig treten Symptome aus dem Autismus-Spektrum, Schlafstörungen oder Phasen extremer Apathie auf. Auch eine hohe Schmerztoleranz wird oft beobachtet.
- Körperliche Merkmale: Charakteristisch sind oft eine flache Gesichtsmitte, eine breite Nasenwurzel und eine nach vorne ragende Unterlippe. Begleitend können Herzfehler oder Probleme mit den Nieren auftreten.
Hilfsmittel, die häufig bei dem Kleefstra-Syndrom zum Einsatz kommen:
Hilfsmittel und Unterstützung für den Alltag
Da das Kleefstra-Syndrom viele Entwicklungsbereiche betrifft, unterstützen gezielte Hilfsmittel die Selbstständigkeit und Sicherheit der Kinder:
- Unterstützte Kommunikation (UK): Da die Lautsprache eine große Barriere darstellt, sind Talker (Sprachcomputer), Tablets mit Kommunikations-Apps oder symbolbasierte Tafeln essenziell. Sie ermöglichen dem Kind, Bedürfnisse auszudrücken und mindern Frustration.
- Stabilität & Mobilität: Bei ausgeprägter Hypotonie helfen individuell angepasste Therapiestühle, die dem Rumpf Halt geben. Für die Fortbewegung können Reha-Buggys oder spezialisierte Dreiräder (zur Stärkung der Muskulatur) notwendig sein.
- Sicherheit beim Schlafen: Wegen häufiger Schlafstörungen und einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis sind Pflegebetten mit hohen, gepolsterten Seitenteilen oft eine große Hilfe, um nächtliches Wandern oder Verletzungen zu verhindern.
- Sensorische Integration: Viele betroffene Kinder profitieren von Gewichtsdecken oder Kompressionswesten, die helfen, den eigenen Körper besser wahrzunehmen und in Stresssituationen zur Ruhe zu kommen.
- Orthopädische Unterstützung: Um das Gangbild bei schwacher Muskulatur zu stabilisieren, können maßgefertigte Einlagen oder Orthesen für die Sprunggelenke sinnvoll sein.
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Hier findet ihr weitere hilfreiche Infos rund um Kleefstra-Syndrom:
Elterniniative und Selbsthilfegruppe Kleefstra-Syndrom








