
Was ist die Chiari-Malformation?
Die Chiari-Malformation (oft auch Arnold-Chiari-Malformation genannt) bezeichnet eine anatomische Besonderheit am Übergang vom Schädel zur Wirbelsäule. Dabei ist die hintere Schädelgrube zu klein oder verformt, sodass Teile des Kleinhirns (die Kleinhirntonsillen) durch das Hinterhauptsloch nach unten in den Wirbelkanal gedrückt werden.
Die Ursache: Engpass am Schädelausgang
Durch das Absinken der Kleinhirnanteile entsteht ein Engpass. Dieser führt dazu, dass die Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) nicht mehr frei zirkulieren kann. Der dadurch entstehende Druck auf das Kleinhirn und das obere Rückenmark kann eine Vielzahl neurologischer Symptome auslösen. Oft tritt die Chiari-Malformation in Verbindung mit einer Syringomyelie (Hohlraumbildung im Rückenmark) oder einer Spina bifida auf.
Typische Merkmale und Symptome
Die Beschwerden hängen stark davon ab, wie sehr der Liquorfluss behindert wird und wie stark der Druck auf das Nervengewebe ist:
- Kopf- und Nackenschmerzen: Das häufigste Symptom. Die Schmerzen strahlen oft vom Hinterkopf in den Nacken aus und verstärken sich beim Husten, Niesen oder Pressen.
- Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen: Da das Kleinhirn für die Feinmotorik zuständig ist, treten oft Schwindel, Gangunsicherheit oder Probleme bei der Hand-Auge-Koordination auf.
- Neurologische Ausfälle: Gefühlsstörungen (Kribbeln, Taubheit) in den Armen und Händen sowie Muskelschwäche sind typisch.
- Schluck- und Sprechstörungen: Druck auf die Hirnnerven kann zu häufigem Verschlucken oder einer verwaschenen Sprache führen.
- Besonderheiten bei Kindern: Hier können Atemaussetzer (Apnoen), eine verkrümmte Wirbelsäule (Skoliose) oder eine Verzögerung der motorischen Entwicklung erste Anzeichen sein.
Hilfsmittel und Unterstützung im Alltag
Je nach Schweregrad und Ausprägung der Symptome können verschiedene Hilfsmittel helfen, den Alltag sicherer zu gestalten und Schmerzen zu lindern:
- Lagerung & Entlastung: Spezielle Nackenstützkissen oder orthopädische Lagerungskissen helfen, den Druck auf den Hinterkopf im Liegen zu minimieren und eine neutrale Position der Halswirbelsäule zu unterstützen.
- Mobilität & Sicherheit: Bei ausgeprägten Gleichgewichtsstörungen oder Schwindel bieten Lauflernhilfen oder Rollatoren Sicherheit und verhindern Stürze. Bei starker Muskelschwäche kann ein (Leichtgewicht-)Rollstuhl die Mobilität erhalten.
- Schutz bei Ataxie: Wenn die Koordination der Hände stark eingeschränkt ist, helfen adaptierte Alltagshilfen wie rutschfeste Unterlagen, Griffverdickungen für Besteck oder spezialisierte Trinkhilfen.
- Überwachung: Bei Kindern mit Atembeschwerden geben mobile Überwachungsmonitore (Pulsoxymeter) den Eltern nachts die nötige Sicherheit.
- Stabilisierung des Rumpfes: Sollte sich infolge der Malformation eine Skoliose entwickeln, können maßgefertigte Korsetts oder stabilisierende Therapiestühle notwendig sein, um die Körperhaltung zu unterstützen.
FiNiFuchs-Tipp: Viele Betroffene berichten, dass plötzliche Erschütterungen oder extremes Rückbeugen des Kopfes die Schmerzen verstärken. Bei der Wahl von Hilfsmitteln (z. B. Autositze oder Buggys) sollte daher auf eine besonders gute Stoßdämpfung und eine stabile, aber sanfte Kopfstütze geachtet werden. Ein Schwerbehindertenausweis kann bei chronischen Schmerzen und neurologischen Ausfällen beantragt werden.
Hilfsmittel, die häufig bei der Chiari-Malformation zum Einsatz kommen:
