Hilfsmittel-Hacks
Kreative Alltagshilfen für Kinder mit Behinderung
Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Alltag leichter machen. Eine zusätzliche Schlaufe hier, ein Stück rutschfestes Material dort – schon funktioniert etwas besser oder sicherer. Viele Eltern von Kindern mit Behinderung entwickeln im Laufe der Zeit ein gutes Gespür dafür, was ihr Kind braucht, und finden kreative Wege, Alltagsgegenstände anzupassen oder Hilfsmittel individuell zu verändern.
Diese praktischen Lösungen entstehen oft aus dem Alltag heraus: beim Packen für den Wochenendbesuch bei Oma, beim Spielen im Garten oder wenn unterwegs plötzlich etwas fehlt. Immer mehr Familien entdecken den „Do-it-yourself“-Ansatz – sie bauen, basteln oder modifizieren Hilfsmittel selbst. Das Ergebnis sind liebevoll angepasste Lösungen, die genau zu den Bedürfnissen des Kindes passen. Und das Beste: Viele dieser Ideen lassen sich mit einfachen Mitteln umsetzen.
Warum selbstgemachte Hilfsmittel so wertvoll sind
Standardisierte Hilfsmittel sind die zentrale Grundlage der Versorgung – sie bieten Sicherheit, Stabilität und werden fachlich abgestimmt. Doch kein Produkt kann alle Situationen des Familienlebens abdecken. Alltag findet nicht nur zu Hause statt, sondern auch unterwegs, bei Freunden, in der Schule oder auf Reisen.
Hier helfen kleine, selbst entwickelte Ergänzungen, die vorhandene Hilfsmittel ergänzen oder alltägliche Gegenstände funktional erweitern. Es geht nicht darum, Fachprodukte zu ersetzen, sondern sie praktisch zu ergänzen – damit das Kind in verschiedenen Lebensbereichen gut zurechtkommt.
Selbstgebaute oder angepasste Hilfsmittel bieten:
- Flexibilität: Sie lassen sich transportieren, umfunktionieren oder schnell reparieren.
- Individualität: Sie sind exakt auf das Kind abgestimmt – körperlich, sensorisch und emotional.
- Selbstwirksamkeit: Kinder erleben, dass ihre Eltern Lösungen finden, die auf sie zugeschnitten sind – das stärkt ihr Selbstvertrauen.
Alltags-Hacks, die das Leben leichter machen
Rutschstopp & Alltagstricks
- Anti-Rutsch-Unterlagen aus der Küche: Ein Stück Schubladeneinlage (gibt’s im Baumarkt oder Möbelhaus) wird unter den Teller gelegt – und schon bleibt alles da, wo es hingehört.
- Gummibänder um Becher oder Besteck: Erleichtert das Greifen für Kinder mit wenig Handkraft.
- Tennisball mit Schlitz: Wird über einen Stift gesteckt – ein einfacher, kostengünstiger Schreibgriff.
Sitzen, Stützen, Stabilität
- Improvisierter Therapiestuhl bei Oma: Ein stabiler Kinderstuhl mit Gurt (z. B. ein breites Stoffband oder Klettband) gibt Halt beim Sitzen. Ein kleines Kissen im Rücken sorgt für aufrechte Haltung.
- Reisesitzhilfe: Eltern berichten, dass sie aus einem aufblasbaren Nackenkissen, einem Schaumstoffkeil und Klettbändern eine perfekte mobile Sitzstütze gebaut haben.
- DIY-Fußstütze: Zwei Holzklötze oder Stapelboxen unter dem Stuhl – schon sind die Füße gut geerdet.
Unterwegs mit Leichtigkeit
- Rollstuhl-Hacks: Karabinerhaken am Griff für Einkaufstaschen oder Spielzeug.
- Kleine Stofftaschen mit Klettverschluss an den Armlehnen – ideal für Snacks oder Taschentücher.
- Eine Regenhaube aus Duschhaube + Wäscheklammern schützt Polster bei spontanem Regen.
- Für den Kinderwagen oder Buggy: Ein einfacher Gurt mit Klickverschluss ersetzt manchmal teure Spezialhalterungen.
- Eine farbige Decke oder ein Tuch hilft, Reize zu reduzieren, wenn das Kind schnell überfordert ist.
Sensorik & Förderung
- Therapieknete selbst gemacht: Mehl, Salz, Wasser, etwas Öl und Lebensmittelfarbe – perfekt für feinmotorische Übungen.
- Fühlkästen aus alten Schuhkartons: Unterschiedliche Materialien wie Reis, Murmeln oder Schwämme fördern Wahrnehmung und Konzentration.
- Beschwerte Kuscheltiere: Ein altes Stofftier mit Kirschkernen oder Reis füllen – das Gewicht kann beruhigend wirken, ähnlich einer Therapiedecke.
Hilfsmittel anpassen statt neu kaufen
- Sitzschalen oder Schienen farbenfroh bekleben: Das Kind fühlt sich wohler, wenn das Hilfsmittel nicht „medizinisch“, sondern persönlich aussieht.
- Weiche Bezüge nähen: Baumwolle oder Frottee verhindern Druckstellen und sind waschbar.
- Klettsysteme anpassen: So lässt sich ein Hilfsmittel mit wenigen Handgriffen umbauen – je nachdem, ob das Kind gerade mehr oder weniger Unterstützung braucht.
Sicher basteln: Tipps vom Fach
Natürlich gilt: Nicht jede Eigenkonstruktion ist automatisch sicher oder therapeutisch sinnvoll. Deshalb lohnt es sich, die Ideen mit Therapeut*innen oder Sanitätshaus-Fachkräften zu besprechen – viele finden solche Eigeninitiative großartig und geben Tipps zur Materialwahl oder Ergonomie.
Lasst Euch inspirieren – und teilt Eure Ideen!
Ob improvisierter Therapiestuhl, Besteckgriff aus Modelliermasse oder ein individuell genähter Bezug – diese kreativen Alltagslösungen zeigen: Hilfsmittel sind keine starren Geräte, sondern lebendige Begleiter. Sie wachsen mit dem Kind, passen sich an und erzählen Geschichten von Fürsorge, Mut und Erfindungsgeist.
Also: Teilt Eure besten DIY-Hacks mit anderen Eltern der FiNiFuchs Community! Denn manchmal ist die beste Idee nur einen Community-Tipp entfernt – und kann den Alltag eines anderen Kindes spürbar erleichtern.
Fazit
Selbstgebaute Hilfsmittel sind Ausdruck von Kreativität, Kompetenz und Liebe. Sie zeigen, wie Eltern tagtäglich Lösungen finden, die das Leben ihrer Kinder ein Stück leichter und bunter machen. Ob bei Oma, im Urlaub oder im Alltag – mit Fantasie, ein paar Materialien und etwas Mut wird aus einem Alltagsgegenstand ein individuelles Hilfsmittel.
Tipps aus der Community
Wenn ich unsere Eigenkonstruktionen mit auf Reisen nehme, versuche ich immer an Fotos oder kurze Notizen zu denken – so kann ich beim nächsten Ausflug darauf zurückgreifen oder sie mit anderen Familien teilen.





