Hilfsmittel erproben

So bereitest du dich auf den Erprobungstermin vor

Ein Erprobungstermin ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur passenden Hilfsmittelversorgung. Hier entscheidet sich oft, ob ein Hilfsmittel nicht nur theoretisch sinnvoll ist, sondern den Alltag deines Kindes wirklich unterstützt. Umso wichtiger ist es, gut vorbereitet in die Hilfsmittel-Erprobung zu gehen.
In diesem HowTo zeigen wir dir, wie du dich auf den Erprobungstermin vorbereitest, worauf du während der Erprobung achten solltest und wie du deine Beobachtungen so festhältst, dass sie dir später bei der Entscheidung und beim Antrag helfen.

 

Warum die Erprobung von Hilfsmitteln so entscheidend ist

Ein Hilfsmittel wird nicht für einen neutralen Raum entwickelt, sondern für den Alltag. Genau deshalb reicht es nicht aus, ein Modell nur anzuschauen oder kurz auszuprobieren. Bei der Hilfsmittel-Erprobung geht es darum zu prüfen, ob das Hilfsmittel zu den Bedürfnissen deines Kindes passt – heute und perspektivisch auch in Zukunft.
Der Erprobungstermin bietet die Möglichkeit, verschiedene Einstellungen zu testen, Reaktionen deines Kindes zu beobachten und gemeinsam mit Fachkräften zu besprechen, welche Lösung im Alltag tragfähig ist. Eine gute Vorbereitung hilft dir dabei, diesen Termin aktiv mitzugestalten.

 

Vor dem Erprobungstermin: den Alltag im Blick behalten

Bevor ihr Hilfsmittel erprobt, lohnt es sich, den eigenen Alltag bewusst zu betrachten. In welchen Situationen braucht dein Kind Unterstützung? Geht es vor allem um das Sitzen, um Transfers, um Mobilität oder um mehrere Bereiche gleichzeitig? Je klarer du diese Fragen für dich beantworten kannst, desto gezielter kann die Erprobung ablaufen.
Hilfreich ist es, typische Alltagssituationen zu dokumentieren – zum Beispiel mit Fotos oder kurzen Videos. Sie zeigen, wie dein Kind aktuell sitzt, liegt oder sich bewegt, und machen den Bedarf greifbar. Auch vorhandene Unterlagen wie ärztliche Verordnungen oder Berichte von Therapeut:innen können beim Erprobungstermin wertvolle Orientierung geben.

 


Checkliste für den Erprobungstermin


Gut vorbereitet in die Hilfsmittel-Erprobung gehen – das solltest du dabeihaben:

  • Unterlagen wie ärztliche Verordnung und relevante Therapie-Berichte
  • Fotos oder kurze Videos aus dem Alltag deines Kindes
  • Notizen zu bisherigen Hilfsmitteln: Was hat funktioniert, was nicht?
  • Bequeme Kleidung sowie ggf. Schuhe oder Orthesen
  • Handy oder Notizblock für Eindrücke während der Erprobung

Und vor allem: Zeit, Ruhe und die Bereitschaft, genau hinzusehen.
Denn bei der Erprobung zählt nicht nur das Hilfsmittel, sondern wie es sich im Alltag anfühlt.

Beim Termin: Hilfsmittel erproben, beobachten und nachfragen

Während des Erprobungstermins steht dein Kind im Mittelpunkt. Lass ihm Zeit, sich an das Hilfsmittel zu gewöhnen, und beobachte genau, wie es reagiert. Wirkt die Haltung stabil? Fühlt sich dein Kind wohl oder eher angespannt? Solche Beobachtungen sind oft aussagekräftiger als technische Details.
Scheue dich nicht, Fragen zu stellen. Auch Aspekte wie Transport, Platzbedarf oder der Einsatz in Schule oder Kita sollten angesprochen werden. Ein Hilfsmittel kann technisch gut sein – aber nur dann überzeugen, wenn es sich realistisch in euren Alltag integrieren lässt.

 

Ergebnisse festhalten: Dokumentation der Hilfsmittel-Erprobung

Nach dem Erprobungstermin ist vor der Entscheidung. Deshalb ist es sinnvoll, deine Eindrücke zeitnah zu dokumentieren. Halte fest, welches Hilfsmittel erprobt wurde, welche Einstellungen vorgenommen wurden und wie dein Kind darauf reagiert hat. Auch Fotos von der Sitz- oder Liegeposition können später sehr hilfreich sein.
Diese Dokumentation unterstützt nicht nur deine eigene Entscheidungsfindung, sondern ist auch eine wertvolle Grundlage für Gespräche mit Ärzt:innen, Therapeut:innen oder der Krankenkasse.
 

Nach der Erprobung: reflektieren und weiterdenken

Wenn ihr wieder zu Hause seid, lohnt es sich, den Erprobungstermin noch einmal in Ruhe zu reflektieren. Passt das getestete Hilfsmittel zu eurem Alltag? Erleichtert es Abläufe oder schafft es neue Herausforderungen? Manchmal zeigt sich erst im Nachhinein, welche Fragen noch offen sind.
Eine Hilfsmittel-Erprobung ist kein einmaliger Moment, sondern Teil eines Prozesses. Es ist völlig in Ordnung, erneut nachzufragen oder eine weitere Erprobung zu vereinbaren, wenn etwas unklar geblieben ist.

 


Fragen für den Erprobungstermin


Diese Fragen helfen dir, die Hilfsmittel-Erprobung bewusst zu nutzen und Entscheidungen besser einzuordnen:

  • Für welche Alltagssituationen ist dieses Hilfsmittel gedacht?
  • Welche Einstellungen sind möglich – und wie flexibel sind sie?
  • Wie wächst das Hilfsmittel mit meinem Kind mit?
  • Wie aufwendig ist der tägliche Umgang im Alltag?
  • Gibt es Alternativen, die wir ebenfalls erproben sollten?
  • Woran erkennen wir, dass dieses Hilfsmittel wirklich passt?

Nicht jede Frage muss sofort beantwortet werden. Wichtig ist, dass sie gestellt werden dürfen – denn dein Blick auf den Alltag deines Kindes ist ein zentraler Teil der Erprobung.

Fazit: Gut vorbereitet Hilfsmittel erproben

Ein Erprobungstermin ist eine wertvolle Chance, Hilfsmittel realistisch zu testen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Mit einer guten Vorbereitung, offenen Fragen und einer klaren Dokumentation wird aus der Hilfsmittel-Erprobung ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Versorgung, die euren Alltag wirklich unterstützt.


Tipps aus der Community


Wenn es möglich ist, vereinbare ich den Erprobungstermin direkt vor Ort – also dort, wo das Hilfsmittel später wirklich zum Einsatz kommt. Den Therapiestuhl habe ich zum Beispiel in der Kita getestet, den Talker in der Schule. So konnte ich die Hilfsmittel unter realen Bedingungen erproben und mich direkt mit den Erzieher:innen und Lehrer:innen abstimmen, die das Hilfsmittel gemeinsam mit meinem Sohn nutzen.

Während der Hilfsmittel-Erprobung mache ich Fotos von den Einstellungen und der Sitz- oder Liegeposition. Diese Bilder haben mir später sehr geholfen – zum Beispiel im Gespräch mit Ärzt:innen, beim Antrag bei der Krankenkasse oder bei einer erneuten Anpassung des Hilfsmittels.

Wenn sich beim Erprobungstermin etwas nicht richtig anfühlt, nehme ich dieses Gefühl ernst. Für mich war es völlig okay, eine zweite Erprobung zu vereinbaren oder mir eine weitere Meinung einzuholen. Am Ende hat genau das oft zu einer besseren Lösung für mein Kind geführt.