FiNiFuchs fragt nach

Im Gespräch mit Thomas Finke von finchtec GmbH  über Menschlichkeit, Präzision und die Entwicklung von Hilfsmitteln, die den Alltag von Kindern wirklich verändern.

 

„Im besten Fall wird ein 
Hilfsmittel zu einem 
unsichtbaren Unterstützer – 
es gibt Halt, ohne einzuengen.“

1. Wer bist du?


Stell dich bitte kurz vor: Wer bist du – jenseits von Titel und Funktion?

Mein Name ist Thomas Finke. Ich bin Geschäftsführer der finchtec GmbH und habe mich auf den Vertrieb, den Import und die Entwicklung von Kinderhilfsmitteln spezialisiert, wobei mein Fokus insbesondere auf der Förderung und Unterstützung von Kindern liegt. In die Welt der Kinderhilfsmittel bin ich 1998 über ein Praktikum bei der Firma Convaid Inc. Torrance in Los Angeles gekommen, das individuelle Kinderhilfsmittel entwickelt und gefertigt hat.
Ich habe Betriebswirtschaft studiert und auch meine Diplomarbeit über Produkte aus diesem Bereich geschrieben. Aus dem Praktikum bei Convaid wurde eine lange Zusammenarbeit. Von 1998 bis 2017 habe ich das Unternehmen in Deutschland aufgebaut und etabliert. Neben der Arbeit habe ich eine wunderbare Familie. Zeit mit ihnen zu verbringen und Natur und Bewegung zu genießen erfüllt mich. Zudem schätze ich meine langjährigen Freundschaften, auch zu Kollegen und Geschäftspartnern im In- und Ausland.

Gab es einen Moment oder einen Menschen, der dich besonders geprägt hat?

Ja. Besonders geprägt haben mich tatsächlich die Menschen hinter dem Unternehmen Convaid: ihre Motivation, ihr Ehrgeiz und ihre Visionen. Convaid wurde in Torrance, Kalifornien, gegründet und war von Beginn an ein familiengeprägtes Unternehmen, das um das Gründerpaar Rachel und Merv Watkins aufgebaut wurde. Rachel brachte ihre Erfahrung aus der Ergotherapie ein, Merv seine aus dem Maschinenbau; gemeinsam sahen sie in den 1970ern den Bedarf an Schieberollstühlen für Kinder mit Behinderungen, die es in dieser Form noch nicht gab. Die Familie gab alles dafür, Hilfsmittel alltagstauglich sowie familien- und nutzerorientierter zu machen. Sie legten zudem großen Wert darauf den „Klinik-Look“ der Hilfsmittel abzustreifen und somit Hilfsmittel praktikabel und sozial akzeptierter zu machen.

 

2. Dein Weg & deine Motivation

 

Warum tust du, was du tust?

Mich motiviert vor allem der Moment, in dem einem Kind durch ein Hilfsmittel neue Wege eröffnet werden. Wenn ein Kind stabiler stehen kann, freier geht oder entspannter sitzt, sieht man oft sofort eine Veränderung. Das Kind beginnt zu strahlen. Das spürt man und das erfreut mich zutiefst.
Solche Momente sind für mich mehr als nur ein beruflicher Erfolg. Sie zeigen, dass ein Hilfsmittel nicht nur ein technisches Produkt ist, sondern einem Kind neue Wege zur Bewegung und Aktivität eröffnen kann. Das miterleben zu dürfen, macht meine Arbeit für mich erfüllend.

Welche Werte leiten dich bei deiner Arbeit?

Lernen, Lehren, Weiterentwicklung. Sich selbst treu bleiben und nur die Dinge tun, die man selbst vertritt. Loyalität. Vertrauen. Zielstrebigkeit.
Ich arbeite langfristig und partnerschaftlich. Beziehungen entstehen nicht über Nacht. Und gute Lösungen auch nicht.

 

3. Hinter den Kulissen der Entwicklung

 

Wie entsteht bei euch ein neues Hilfsmittel – von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt?

Durch intensive Kommunikation mit den Eltern, Therapeutinnen und Therapeuten, Sanitätshäuser und Partnern. Sie alle geben Rückmeldungen. Aus diesen Erfahrungen entstehen Impulse für Weiterentwicklungen. Ein gutes Produkt wächst mit dem Alltag der Kinder.

Worauf legt ihr bei Entwicklung und Fertigung besonderen Wert?

Genauigkeit und Qualität. Ein Hilfsmittel soll die Bewegung unterstützen und nicht dominieren. Im besten Fall wird es zu einem unsichtbaren Unterstützer. Es gibt Halt, ohne einzuengen und ermöglicht Aktivität.

Gibt es etwas, das Eltern überraschen würde, wenn sie sehen könnten, wie eure Produkte entstehen?

Dass vieles in echter Handarbeit entsteht.
Manufaktur bedeutet: Menschen arbeiten für Menschen. Gerade bei individuellen Lösungen ist Präzision Handarbeit. Viele hundert Handgriffe werden benötigt, um ein maßgeschneidertes Hilfsmittel herzustellen. Ich denke, es würde Eltern überraschen, wie viel Zeit und Hingabe in jedem einzelnen Stück steckt.

Was ist bei Hilfsmitteln für Kinder besonders sensibel oder herausfordernd?

Zeit ist ein entscheidender Faktor. Kinder wachsen, entwickeln sich weiter und verändern ihre motorischen Möglichkeiten oft schneller, als man denkt. Ein Hilfsmittel muss deshalb so angepasst sein, dass es diese Entwicklung sinnvoll begleitet.
Und am Ende spielt auch die Akzeptanz eine wichtige Rolle. Ein Hilfsmittel wird nur dann Teil des Alltags, wenn es für das Kind und die Familie selbstverständlich nutzbar ist.

 

4. Dein Team & eure Philosophie

 

Was macht euer Team besonders?

Was unser Team besonders macht, ist vor allem die langjährige Zusammenarbeit. Viele von uns arbeiten teilweise seit über zwanzig Jahren zusammen. Diese Kontinuität gibt es nicht in vielen Unternehmen.
Durch diese lange gemeinsame Zeit ist ein starkes Vertrauen entstanden, was unsere Basis für ein gemeinsames innovatives und kreatives Wirken ist. Diese enge Zusammenarbeit im Team hilft uns, Entscheidungen immer mit Blick auf das zu treffen, was Kindern und ihren Familien im Alltag wirklich hilft.

 

 

 

5. Persönlicher Blick

 

Hast du ein Lieblingshilfsmittel aus eurer Produktwelt? Warum gerade dieses?

Der Motilo Original und Cleo.
Beide sind leichtgängig, individuell anpassbar und unterstützen das Kind genau dort, wo Unterstützung gebraucht wird. Nicht mehr und nicht weniger.

Erinnerst du dich an eine Familie oder ein Kind, bei dem dieses Hilfsmittel etwas verändert hat?

Eine Mutter hatte lange nach einer passenden Lösung gesucht und auf einer Reise ein Hilfsmittel entdeckt, das sie überzeugte. Sie wollte dieses Hilfsmittel für ihr Kind einsetzen.
Mit Unterstützung einer Therapeutin und in Zusammenarbeit mit einem Sanitätshaus hat sie die Versorgung organisiert. Über dieses Sanitätshaus bin ich schließlich mit dem Produkt in Kontakt gekommen.
Dieses Produkt war tatsächlich der Motilo.

Gibt es ein Hilfsmittel, das du gerne entwickeln würdest, weil es bisher fehlt oder noch besser sein könnte?

Es gibt einige Ideen.
Gemeinsam mit Partnern arbeiten wir kontinuierlich an Verbesserungen und neuen Lösungen. Gute Produkte entstehen Schritt für Schritt.

Wenn du an die Familien denkst, die eure Produkte nutzen: Was wünschst du ihnen?

Dass sie mutige Entscheidungen treffen und ehrliches Feedback geben.
Nur wenn wir Rückmeldungen bekommen, können Produkte besser werden. Am Ende geht es immer darum, gemeinsam Lösungen zu finden, die den Alltag wirklich erleichtern.
Persönlich wünsche ich Ihnen, dass unsere Produkte Ihnen den Mehrwert und den Nutzen für Lebenszeit durch Lebensqualität geben.

 

 


Vielen Dank, lieber Thomas,
für deine ehrlichen Einblicke
in deine Arbeit, deine Werte
und deine Leidenschaft für Hilfsmittel,
die den Alltag von Kindern wirklich verändern.
🧡
 

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