FiNiFuchs fragt nach
Im Gespräch mit Sebastian Hannen, Orthopädietechnikermeister und Produktionsleiter bei Fuchs & Möller, über einen Beruf mit Herz, individuelle Lösungen und die Menschen hinter jeder Versorgung.

„Der Patient steht im Mittelpunkt.
Standardlösungen gibt es bei uns nicht –
jede Versorgung ist so individuell
wie der Mensch selbst.“
1. Wer bist du?
Stell dich bitte kurz vor:
Wer bist du – und wie bist du ins Sanitätshauswesen gekommen?
Mein Name ist Sebastian Hannen, Orthopädietechnikermeister und leite die Produktion bei Fuchs & Möller. Seit meiner Ausbildung 1998 in Heidelberg und dem Meisterabschluss einige Jahre später bin ich diesem Beruf treu geblieben. Heute verantworte ich ein breites Spektrum – von Prothetik bis Orthetik. Wir begleiten Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen – genau das macht unsere Arbeit so besonders.
Der Weg begann im Zivildienst, in der Betreuung schwerstbehinderter Menschen. Diese intensive Zeit hat mich geprägt. Ich wollte nicht nur begleiten, sondern aktiv helfen. Die Kombination aus Handwerk und Medizin hat mich letztlich überzeugt. Besonders die Arbeit mit Kindern berührt mich bis heute – ihr Lachen ist unbezahlbar.
Was hat dich an der Arbeit mit Kindern und ihren Familien besonders gereizt?
Kinder sind ehrlich. Sie sagen dir sofort, ob etwas funktioniert – ohne Filter. Gleichzeitig bietet die Versorgung bei Kindern enorme Chancen: Wir können früh beeinflussen, wie sich ihr Leben entwickelt. Das ist eine große Verantwortung, aber auch eine enorme Motivation.
Gab es eine Begegnung, die deinen Blick auf diese Arbeit verändert hat?
Diese Momente erleben wir täglich: Wenn ein Mensch wieder laufen kann oder ein Kind erste Schritte macht, ist das unbeschreiblich. Das sind die Augenblicke, die uns antreiben. Viele von uns arbeiten nicht nur für das Gehalt, sondern für die Menschen dahinter.

2. Arbeitsalltag & Motivation
Wie sieht dein Alltag in der Werkstatt aus?
Mein Alltag ist vielfältig: Teamsitzungen, Patientenbetreuung, Organisation, Prozessoptimierung und leider auch viel Bürokratie. Gleichzeitig treiben wir Fortbildung und Weiterentwicklung voran. Ohne ein starkes Team wäre das nicht möglich.
Was macht dir an deiner Arbeit am meisten Freude?
Der direkte Kontakt zum Patienten. Wir begleiten Menschen oft über Jahre. Es entsteht Vertrauen – und manchmal echte Verbundenheit. Jede Versorgung ist individuell, kein Produkt von der Stange.
Was ist im Alltag besonders herausfordernd?
Ganz klar: Bürokratie. Kostenträgermanagement, Richtlinien, Prozessabläufe organisieren – das kostet Zeit und Energie. Die Arbeit mit den Patienten sowie das abwechslungsreiche Handwerk ist dagegen das Schönste an meinem Beruf.
Gibt es eine Situation, die dich bis heute begleitet?
Ein Junge mit Armprothese wurde in der Schule ausgegrenzt. Wir haben ihm nicht nur funktional geholfen, sondern auch emotional: mit einer individuell gestalteten Prothese, die ihn stolz gemacht hat. Plötzlich war er nicht mehr „anders“, sondern etwas Besonderes. Diese Verwandlung zu sehen, war ein bewegender Moment.
3. Hinter den Kulissen der Versorgung
Wie läuft bei euch die Hilfsmittelversorgung ab?
Am Anfang steht immer das Gespräch: verstehen, zuhören, analysieren. Danach folgen Planung, Abstimmung mit Ärzten und Therapeuten und die Beantragung bei der Krankenkasse. Anschließend wird individuell gefertigt, getestet und angepasst. Der Patient ist dabei immer Teil des Prozesses.
Was ist dir dabei persönlich besonders wichtig?
Der persönliche Kontakt. Man muss den Menschen verstehen – körperlich und emotional. Jede Versorgung ist individuell. Standardlösungen greifen in unserem Bereich zu kurz.
Welche Rolle spielen Eltern und Angehörige?
Eine große. Sie brauchen Orientierung, aber auch ehrliche Einschätzung. Wichtig ist, realistische Erwartungen zu setzen – und gleichzeitig Mut zu machen. Ebenso entscheidend: Angehörige dürfen sich selbst nicht verlieren.
4. Team & Philosophie
Was macht euer Team besonders?
Teamarbeit auf Augenhöhe. Die beste Idee zählt – egal von wem sie kommt. Dieses Vertrauen und der Zusammenhalt geben uns Stärke und machen komplexe Versorgungen überhaupt erst möglich.
Wie würdest du eure Haltung beschreiben?
Der Patient steht im Mittelpunkt. Wir gehen bewusst auch mal Umwege, wenn sie zu besseren Ergebnissen führen. Standardlösungen gibt es bei uns nicht.
Worüber wird bei euch auch mal gelacht?
Über vieles. Humor gehört dazu – auch im Kontakt mit Patienten. Natürlich mit Feingefühl. Aber gemeinsam Lachen zu können, schafft Nähe und Vertrauen.
Gibt es ein Hilfsmittel, das dir besonders im Kopf geblieben ist?
Es gibt nicht das eine. Es sind oft die kleinen Dinge, die Großes bewirken: ein Kind, das erstmals steht, ein Mensch, der wieder schmerzfrei gehen kann. Diese Momente bleiben – und sie erinnern uns jeden Tag daran, warum wir diesen Beruf machen.
Vielen Dank, lieber Sebastian,
für deine Offenheit,
deine persönlichen Einblicke
und deine Leidenschaft
für einen Beruf, der Handwerk,
Technik und Menschlichkeit
auf besondere Weise verbindet. 🧡
🧡