FiNiFuchs fragt nach

Im Gespräch mit Sarah Ausfelder-Neubauer von Handi-Move über persönliche Wege in die Welt der Kinderhilfsmittel, gelebte Verantwortung und den Anspruch, Lösungen zu schaffen, die im Alltag wirklich entlasten.

 

„Jedes Kind und jede Familie bringen eine eigene Geschichte mit, und ich möchte ihnen auf Augenhöhe begegnen – mit Verständnis für ihre Herausforderungen und dem Ziel, echte Unterstützung zu bieten.“

1. Wer bist du?


Stell dich bitte kurz vor: Wer bist du – jenseits von Titel und Funktion?

Mein Name ist Sarah Ausfelder-Neubauer, ich bin 40 Jahre alt, verheiratet, Mutter von einem Sohn und „Hundemama“. Ich führe seit 2018 zusammen mit meinem Mann die Handi-Move Niederlassung für den Raum Bayern.

Wie bist du in die Welt der Kinderhilfsmittel gekommen?

Mein Vater hatte 2006 die bayerische Niederlassung für Handi-Move übernommen. So kam ich das erste Mal mit (Kinder-)Hilfsmitteln in Kontakt. Für mein Studium hatte ich eigentlich einen anderen Weg eingeschlagen, nämlich Geisteswissenschaften. Da die Jobsuche danach aber nicht ganz einfach war, bin ich durch Zufall in der Pharmaindustrie gelandet und dort wieder mit Hilfsmitteln in Kontakt gekommen und schlussendlich habe ich zusammen mit meinem Mann die Handi-Move Niederlassung von meinem Vater übernommen. Ich bin heute froh, dass mein Weg mich so geführt hat.

Gab es einen Moment oder einen Menschen, der dich besonders geprägt hat?

In jedem Fall mein Vater, wie er mit 50 Jahren noch einmal ganz neu angefangen und sich mit der bayerischen Niederlassung für Handi-Move selbständig gemacht hat. Geprägt haben mich aber auch meine Erfahrungen, die ich in der Pharmaindustrie machen durfte – davon profitiere ich auch heute noch sehr, vor allem im Bereich der Qualitätssicherung.

 

2. Dein Weg & deine Motivation

 

Warum tust du, was du tust?

Ich lerne Eltern und Kinder kennen, die in ihrem Alltag zu Hause, aber auch in der Schule, unterwegs oder auf Reisen auf „Barrierefreiheit“ angewiesen sind und schlimme Hindernisse erleben. Ohne entsprechende Hilfsmittel geht oft nichts. Deren Leben mit unseren Liftern zumindest ein bisschen einfacher zu machen, ist mein Ziel. Am Ende gibt es ein klares Ergebnis: eine Erleichterung des Alltags für die Kinder und deren Eltern und Pflegekräfte.

Welche Werte leiten dich bei deiner Arbeit?

Mir sind Empathie, Respekt und Verlässlichkeit besonders wichtig. Jedes Kind und jede Familie bringen eine eigene Geschichte mit, und ich möchte ihnen auf Augenhöhe begegnen – mit Verständnis für ihre Herausforderungen und dem Ziel, echte Unterstützung zu bieten.

Gab es auch Momente, in denen du gezweifelt hast – und warum bist du geblieben?

Natürlich gibt es immer wieder schwierige Situationen, in denen man an den großen Herausforderungen zweifelt. Aber genau diese Momente erinnern mich daran, wie wichtigunsere Arbeit ist. Wenn ich sehe, wie eine Person, vor allem ein Kind, durch unsere Liftersysteme mehr Selbstständigkeit oder Komfort gewinnt, weiß ich: Das ist es wert. Das hält mich motiviert und lässt mich weitermachen.

 

3. Hinter den Kulissen der Entwicklung

 

Wie entsteht bei euch ein neues Hilfsmittel – von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt?

Ein neues Hilfsmittel entsteht eigentlich immer aus einem konkreten Bedarf heraus, den wir vor Ort bei unseren Kunden erfahren. Dann folgt eine Phase des intensiven Austauschs und der Ideenfindung in unserer Firmenzentrale in Belgien, immer in enger Abstimmung mit der Qualitätssicherung. Prototypen werden gebaut und getestet, oft auch direkt mit Nutzern, um sicherzugehen, dass das Produkt wirklich praktisch und sicher ist. Wenn alles passt und ein klarer Mehrwert des Produkts in der Hilfsmittellandschaft erkennbar ist, kommt es in die Produktion.

Wer ist an diesem Prozess beteiligt?

Unser Team aus unseren Außendienstlern, Technikern, Entwicklern und Vertriebsexperten arbeitet in unserer belgischen Firmenzentrale eng zusammen.

Worauf legt ihr bei Entwicklung und Fertigung besonderen Wert?

Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit stehen an erster Stelle. Unsere Produkte müssen innovativ, robust, leicht zu bedienen und gleichzeitig so komfortabel wie möglich sein. Außerdem achten wir auf hochwertigste Materialien und so wenig Materialausschuss wie möglich.

Was ist bei Hilfsmitteln für Kinder besonders sensibel oder herausfordernd?

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie verstehen oft nicht, warum sie nicht mehr von Mama oder Papa hochgehoben werden können, sondern das jetzt ein „Gerät“ wie ein Lifter übernehmen soll. Wir müssen also auch immer diese mentale Komponente mit bedenken.

 


Kurz gefragt: 
 

Perfektion oder Menschlichkeit?

Menschlichkeit!
 

Technik oder Alltagstauglichkeit?

Alltagstauglichkeit!
 

Ruhe oder Tempo?

Tempo

 

4. Dein Team & eure Philosophie

 

Was macht euer Team besonders?

Unsere deutschen Niederlassungen arbeiten jeweils in kleinen Teams, die sich fast wie eine Familie verstehen. Ohne Leidenschaft für unsere Aufgabe, kämen wir nicht weit. Unser gemeinsames Ziel: Menschen mit Behinderung das Leben leichter zu machen.

Wie arbeitet ihr zusammen – eher kreativ-chaotisch oder strukturiert und technisch?

Wir sind eine Mischung aus beidem. Kreative Ideen sind wichtig, aber wir arbeiten sehr strukturiert, um höchste Qualität und Kundenzufriedenheit zu gewährleisten.

Was ist dir im Umgang mit deinen Kolleg:innen besonders wichtig?

Respekt und OIenheit. Jeder soll seine Meinung einbringen können, und wir hören wirklich zu. Nur so entstehen gute Lösungen. Besonders stolz bin ich, dass wir so viele langjährige Mitarbeiter haben, die Handi-Move auch bis zur Rente treu bleiben.

 

5. Persönlicher Blick

 

Hast du ein Lieblingshilfsmittel aus eurer Produktwelt? Warum gerade dieses?

Ich mag besonders unseren Umhängedeckenlifter, weil er so viel Flexibilität und Freiheit bietet. Er ist ganz leicht in mehreren Räumen einsetzbar und man hat aber nur ein Gerät, um das man sich kümmern muss (Aufladen, etc.). Die Pflegekraft oder die Eltern können am kleinen oder großen Patienten im Lifter immer körperliche Nähe zeigen und die Transfers damit so angenehm wie möglich gestalten.

Erinnerst du dich an eine Familie oder ein Kind, bei dem dieses Hilfsmittel etwas verändert hat?

Ja, ein kleiner Kunde von uns, der blind und gehörlos ist, hatte durch unseren Umhängedeckenlifter endlich keine Angst mehr beim Liften. Seine Mutter, die die Hauptpflegeperson für ihn ist, hat beim Liften immer eine Hand am Kind und gibt somit unserem kleinen Kunden ein sicheres Gefühl.

Wenn du an die Familien denkst, die eure Produkte nutzen: Was wünschst du ihnen?

Ich wünsche ihnen ganz viel Kraft, Geduld und Momente voller Freude. Und dass sie immer Menschen um sich haben, die sie unterstützen und verstehen.

 

6. Blick nach vorn & Abschluss
 

Wie siehst du die Zukunft der Kinderhilfsmittel?

Ich sehe eine Zukunft, in der Hilfsmittel smarter und nachhaltiger werden.

Was müsste sich in der Hilfsmittelversorgung dringend ändern?

Die Versorgung muss schneller, unkomplizierter und familienorientierter werden. Es darf nicht sein, dass bürokratische Hürden den Zugang zu wichtigen Hilfsmitteln erschweren.

Wenn du Eltern etwas mitgeben könntest: Was ist dein persönlicher Wunsch oder Rat?

Vertraut auf eure Intuition und sucht euch Unterstützung, wenn ihr sie braucht. Ihr seid die besten Experten für eure Kinder.



Vielen Dank, liebe Sarah,
für deine ehrlichen Einblicke,
deine Offenheit und deine
persönliche Geschichte –
und für deinen klaren Blick auf das, 
was Familien wirklich brauchen
und wie viel Haltung hinter 
guter Hilfsmittelversorgung steckt. 
🧡

 

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