FiNiFuchs fragt nach

Im Gespräch mit Kristina, Geschäftsführerin der Ortho-Manufaktur Mai,
über Vertrauen, Handwerk und die persönliche Begleitung von Familien in der Hilfsmittelversorgung.

 

„Wenn ein Kind wieder sicher stehen, 
laufen oder spielen kann, 
verändert das nicht nur sein Leben, 
sondern das der ganzen Familie.“

1. Wer bist du?


Stell dich bitte kurz vor: 
Wer bist du – und wie bist du ins Sanitätshauswesen gekommen?

Ich bin Kristina, Mama einer 18-jährigen Tochter, und Gründerin von Ortho-Manufaktur Mai. Als Mutter habe ich früh gelernt, wie wichtig Vertrauen, Geduld und echtes Zuhören sind. Kinder zeigen einem jeden Tag, wie wertvoll Bewegung, Freiheit und Selbständigkeit sind und das hat mich auch beruflich geprägt. Mit der Gründung von Ortho-Manufaktur Mai wollte ich einen Ort schaffen, an dem Menschen nicht nur versorgt, sondern wirklich gesehen werden.

Was hat dich an der Arbeit mit Kindern und ihren Familien besonders gereizt?

Dass man hier wirklich einen Unterschied im Alltag macht. Wenn ein Kind wieder sicher stehen, laufen oder spielen kann, verändert das nicht nur sein Leben, sondern das der ganzen Familie. Was mich besonders begeistert, ist die enge Zusammenarbeit mit den Familien. Man begleitet sie oft über viele Jahre, wächst gemeinsam an Herausforderungen und feiert kleine und große Fortschritte. Diese Nähe und dieses Vertrauen sind etwas ganz besonderes.

Gab es eine Begegnung, die deinen Blick auf diese Arbeit verändert hat?

Es gab viele Momente, die mich geprägt haben, aber vor allem, als ich selbst Mutter geworden bin. Plötzlich habe ich Situationen und Sorgen von Familien aus einer ganz neuen Perspektive gesehen. Ich habe verstanden, wie wichtig Sicherheit, Vertrauen und Unterstützung sind.

 

2. Arbeitsalltag & Motivation

 

Wie sieht ein typischer Tag bei dir im Sanitätshaus aus?

Mein Alltag ist sehr abwechslungsreich und bunt. Termine, Projekte, Absprachen mit dem Team, regelmäßiger Austausch mit Therapeuten und Ärzten, sowie die persönliche Betreuung meiner kleinen Patienten.

Was macht dir an deiner Arbeit am meisten Freude?

Am meisten Freude macht mir die direkte Arbeit mit meinen Patienten. Zu sehen, wie ein Kind oder eine Familie nach unserer Arbeit ein Stück Sicherheit, Bewegungsfreiheit oder Lebensqualität zurückgewinnt, ist unbeschreiblich.

Was ist im Alltag besonders herausfordernd?

Eine besondere Herausforderung im Alltag ist der Kontakt mit den Krankenkassen. Für viele Patienten ist es kompliziert, die richtigen Leistungen zu bekommen und oft braucht es viel Organisation und Geduld, um alles reibungslos zu klären.

Gibt es eine Situation, die dich bis heute begleitet?

Ja, eine Begegnung mit einem Frühchen begleitet mich bis heute. Damals wusste niemand so richtig, wie es weiter geht und ob das Kind jemals laufen wird. Es war eine sehr unsichere Situation für das ganze Team und die Familie. Heute kommt das Kind fröhlich in die Firma reingelaufen, und wir lachen zusammen. Diese Erfahrung zeigt mir jeden Tag, warum ich die Arbeit so liebe.

3. Hinter den Kulissen der Versorgung

 

Wie läuft bei euch die Hilfsmittelversorgung ab?

Die Hilfsmittelversorgung beginnt immer damit, dass wir genau zuhören: Was braucht der Patient? Welche Probleme oder Einschränkungen gibt es? Danach arbeiten wir eng mit Ärzten, Therapeuten und oft auch mit den Krankenkassen zusammen, um die beste Lösung zu finden.

In unserer Manufaktur fertigen wir das Hilfsmittel individuell an – ganz genau auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten. Danach testen wir es gemeinsam, passen es an und begleiten die Patienten und Familien über einen längeren Zeitraum, damit alles gut funktioniert und sie sich sicher und wohl fühlen.

Was ist dir dabei persönlich besonders wichtig?

Für mich ist es besonders wichtig, dass die Versorgung persönlich bleibt – ich nehme mir viel Zeit für Termine, erkläre alles genau und stehe jederzeit für Fragen bereit. So stellen wir sicher, dass die Menschen die Unterstützung bekommen, die sie wirklich brauchen.

Wo braucht es im Prozess besonders viel Geduld?

Im Genehmigungsprozess mit den Kostenträgern.

Gibt es etwas, das Eltern oft nicht wissen?

Eltern ist, gerade wenn es das erste Hilfsmittel ist, oft nicht bewusst, dass viele Versorgungen genehmigungspflichtig sind. Nach der Aufklärung im Beratungsgespräch verstehen Sie den Ablauf, bis es zur Versorgung kommt, besser.

Welche Rolle spielt Teamarbeit bei euch?

In unserem Alltag spielt das Team eine zentrale Rolle. Jeder bringt sein Fachwissen ein. Im Büro, in der Werkstatt oder bei Terminen mit Patienten, Ärzten und Therapeuten.

 


Kurz gefragt: 
 

Struktur oder Flexibilität?

Flexibilität!

Zuhören oder Erklären?

Zuhören!


Was gibt dir im Alltag Kraft?

Was mir im Alltag Kraft gibt, sind die kleinen Momente mit meinen Patienten und ihren Familien, wenn ein Kind lacht, Fortschritte macht oder Eltern erleichtert aufatmen. Auch besondere Gesten berühren mich, zum Beispiel selbst gemalte Bilder oder wenn mir die Kinder zu meinem Geburtstag ein Lied vorsingen.

Natürlich gibt mir auch mein Team Energie, weil jeder mit Herz und Fachwissen dabei ist. Und meine eigene Familie.
 

4. Team & Philosophie

 

Was macht euer Team besonders?

Wir sind ein sehr junges dynamisches Team, wo jeder jedem hilft. Und wenn viel zu tun ist, weiß ich, dass ich ein Team habe, auf das ich mich verlassen kann.

Wie würdest du eure Haltung beschreiben?

Wir wollen, dass sich Menschen und Familien verstanden und gut begleitet fühlen.

Was braucht ein gutes Team, um Familien wirklich gut zu begleiten? 

Ein gutes Team braucht vor allem Fachwissen, Empathie und echte Zusammenarbeit.

Worüber wird bei euch im Team auch mal gelacht?

Witzige Situationen entstehen in der Werkstatt meist von alleine, so dass für einen Lacher immer gesorgt ist.

 

5. Persönlicher Blick

 

Gibt es ein Hilfsmittel, das dir besonders im Kopf geblieben ist?

Leider sorgt nicht jedes Hilfsmittel für Erleichterung im Alltag, aber trägt trotzdem einen wichtigen Teil zur Entwicklung des Kindes bei.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aber eine fahreadlenker-adaptierte Handorthese welche dafür sorgt, dass die Hand kontrolliert am Lenker bleibt und dadurch ein eigenständiger Weg zu Schule möglich geworden ist.

Wenn du ein neues Hilfsmittel erfinden dürftest: Welches wäre das – und warum?

Ein Hilfsmittel, welches wirklich effektiv den Kauergang behandeln kann. Es gibt zwar verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung, aber keine, die wirklich nachhaltig die Fehlstellung korrigiert.

Was bedeutet dir deine Arbeit ganz persönlich?

Mein Jugendtraum war immer, etwas handwerkliches zu machen und Menschen zu helfen. In meinem Beruf kann ich beides miteinander kombinieren und das erfüllt mich sehr.

6. Ausblick & Botschaft

 

Wie siehst du die Zukunft der Hilfsmittelversorgung für Kinder?

Herausfordernd, ich wünsche mir, dass individuelle Lösungen noch stärker in den Mittelpunkt rücken.

Welche Veränderungen wünschst du dir für die Branche?

Ich wünsche mir, dass die Hilfsmittelversorgung für Kinder noch unkomplizierter wird. Oft wird viel Zeit und Energie vom medizinischen Dienst beansprucht, obwohl die Familien und wir als Fachleute, die die Familien seit Jahren begleiten, genau wissen was nötig ist.

Was läuft aus deiner Sicht gut – und was weniger? 

Aus meiner Sicht läuft vieles in der Hilfsmittelversorgung für Kinder schon gut. Die Qualität der Hilfsmittel ist hoch, Ärzte und Therapeuten arbeiten engagiert, und wir haben die Möglichkeit, individuell auf jedes Kind im Team einzugehen.

Was möchtest du Eltern mitgeben?

Hört auf euer Bauchgefühl und scheut euch nicht, Fragen zu stellen. Ihr kennt euer Kind am besten. Lasst euch von Bürokratie oder Unsicherheiten nicht  entmutigen und sucht euch Unterstützung bei Fachleuten, die eure Kinder schon lange begleiten.



Vielen Dank, liebe Kristina,
für deine Offenheit
und deinen einfühlsamen Blick
auf deine Arbeit mit Kindern 
und ihren Familien.
🧡

 

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