FiNiFuchs fragt nach
Im Austausch mit Kerstin Grifka von HOGGI über Verantwortung, Haltung und die Zukunft der Hilfsmittelversorgung für Kinder.

„ Im Großen und Ganzen
möchte ich Menschen mit
meiner Arbeit glücklich machen.
Für mich sind alle Menschen gleichwertig
und alle sollen bestmöglich
am Leben teilhaben können. “
1. Wer bist du?
Stell dich bitte kurz vor: Wer bist du – jenseits von Titel und Funktion?
Ich bin Kerstin Grifka, Mama von drei Kindern, liebe es mit unserer Fellnase im Wald spazieren zu gehen oder meine Laufschuhe zu schnüren. Neben meinem Job bei HOGGI und als Mama stehe ich noch 1-2 mal wöchentlich als Übungsleiterin im Geräteturnen in der Halle.
Wie bist du in die Welt der Kinderhilfsmittel gekommen?
Mein Papa ist der Gründer von HOGGI und da er auch davor bereits im Rehabereich tätig war, bin ich von klein auf in der Branche „großgeworden“.
Nach der Geburt von unserem zweiten Kind hat es mich dann vorerst als Minijob und später in Festanstellung ins Marketing bei HOGGI verschlagen 😊

2. Dein Weg & deine Motivation
Warum tust du, was du tust?
Was motiviert dich ganz konkret im Alltag, Produkte für Kinder mit Behinderung zu entwickeln?
Wenn mich jemand fragt, ob ich meinen Job gerne ausführe, kann ich nur sagen, dass ich dankbar bin, eine so abwechslungsreiche Aufgabe zu haben, die so vielen Menschen ihren Alltag erleichtern kann. Zwar bin ich im Marketing nicht direkt für die Produkte und somit für eine perfekte Versorgung der Kinder zuständig, aber gerade in den letzten Jahren versuchen wir verstärkt auch direkt auf die Wünsche und Bedürfnisse der Familien einzugehen. Abseits der technischen Innovationen, für die unsere Entwickler zuständig sind, ist es unser Ziel, unsere Hilfsmittel „hübsch“, modern und stylisch zu gestalten. Wenn Eltern uns z.B. auf Messen besuchen und sich über die neuen Polsterfarben riesig freuen, weil der Rehabuggy nicht mehr so sehr nach Rehabuggy aussieht oder mir ein Kind freudestrahlend und stolz seinen neuen Speichenschutz präsentiert, dann weiß ich ganz besonders, wofür ich das machen.
Welche Werte leiten dich bei deiner Arbeit?
Ich würde sagen Empathie, Respekt und Fürsorge. Im Großen und Ganzen möchte ich Menschen mit meiner Arbeit glücklich machen. Für mich sind alle Menschen gleichwertig und alle sollen bestmöglich am Leben teilhaben können. Hierfür ist es wichtig, Besonderheiten zu respektieren und Verantwortung füreinander zu übernehmen.
3. Hinter den Kulissen der Entwicklung
Wie entsteht bei euch ein neues Hilfsmittel – von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt?
Wer ist an diesem Prozess beteiligt?
Neue Produkte bzw. Ideen zu neuen Produkten entstehen bei uns in einer Zusammenarbeit zwischen unseren Kollegen im Außendienst, den Entwicklern und unserem Produktmanagement.
Wenn klar ist, welche Lücke am Markt wir mit einem neuen Produkt schließen wollen oder in welchem Bereich es Verbesserungspotential gibt, tüfteln unsere Entwickler an einer optimalen Lösung.
Worauf legt ihr bei Entwicklung und Fertigung besonderen Wert?
Ein hoher Qualitätsstandard ist dabei für uns von sehr hoher Bedeutung.
Sofern die technische Seite konzipiert und fertig ist, schauen wir im Marketing nach optischen Komponenten oder auch „Innovationen“. Gibt es für das Produkt neue Polsterfarben, andere Rahmenfarben?
Gibt es etwas, das Eltern überraschen würde, wenn sie sehen könnten, wie eure Produkte entstehen?
Besonders überrascht sind die Leute, die wir durch unsere Produktion führen, meistens davon, dass in jedem einzelnen Produkt so viel Handarbeit steckt, dass alle HOGGI Produkte in unserer Produktionsstätte im Westerwald gebaut werden und dass wir zum Großteil mit regionalen Partnern als Zulieferer zusammenarbeiten.
Kurz gefragt:
Bauchgefühl oder Plan?
Bauchgefühl!
Ruhe oder Tempo?
Tempo!
Tüfteln oder Zuhören?
Von beidem ein bisschen 😉
4. Dein Team & eure Philosophie
Was macht euer Team besonders?
Unser Marketingteam ist klein aber fein. Wir arbeiten zu viert an den unterschiedlichen Themen, wobei jeder von uns seine „Spezialgebiete“ hat. Den Großteil der marketingrelevanten Themen bearbeiten wir inhouse, wodurch wir ein sehr vielfältiges Arbeitsspektrum haben. Das macht es so abwechslungsreich und spannend.
Wie arbeitet ihr zusammen – eher kreativ-chaotisch oder strukturiert und technisch?
Ich glaube, dass ich mit meiner Art, mich schnell für Dinge begeistern zu lassen, öfter für kreatives Chaos sorge. Nicht selten sind daraus aber in anschließender Teamarbeit tolle Projekte entstanden. Somit ergänzen wir uns sehr gut hinsichtlich Struktur und kreativem Chaos würde ich behaupten.
Worüber wird bei euch im Alltag auch mal gelacht?
Gelacht wir bei uns über alles Mögliche, was sicher daran liegt, dass wir vier uns gut verstehen und auch über uns selbst lachen können 😊.
5. Persönlicher Blick
Hast du ein Lieblingshilfsmittel aus eurer Produktwelt? Warum gerade dieses?
Mein Lieblingshilfsmittel sind unser BINGO Evolution Trendline (in grün) und der CRUISER. Den Trendline finde ich schlichtweg stylisch und würde schon fast behaupten, dass er es mit normalen Lifestyle Kinderwagen aufnehmen kann. Den CRUISER finde ich einfach „knuffig“ (besonders natürlich in der ganz kleinen Größe).
Erinnerst du dich an eine Familie oder ein Kind, bei dem dieses Hilfsmittel etwas verändert hat?
Beim CRUISER muss ich sofort an unser Model Anton denken, mit dem wir im November so viel Spaß beim Videodreh hatten und der mit unserem CRUISER durch die Halle gedüst ist, bevor er ihn dann mit nach Hause genommen hat.
Wenn du an die Familien denkst, die eure Produkte nutzen: Was wünschst du ihnen?
Den Familien, die unsere Produkte nutzen wünsche ich von Herzen, dass wir den Alltag durch unsere Hilfsmittel erleichtern, dass die Kinder mobiler werden und aktiv am Leben teilhaben können. Egal ob zuhause, in der Einrichtung oder im Urlaub.
Daher haben wir auch immer ein offenes Ohr für Anregungen, Verbesserungsideen oder Wünsche.
6. Blick nach vorn & Abschluss
Wie siehst du die Zukunft der Kinderhilfsmittel?
Ich denke, dass wir verstärkt individuelle statt Einheitslösungen für Kinder brauchen. Hilfsmittel, die mitwachsen und an den Körper angepasst werden können.
Der Blick bei der Versorgung sollte sich weg vom reinen „Defizit“ hin zu Teilhabe und Lebensqualität richten. Die Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit der Kinder sollte stärker in den Fokus rücken.
Und es sollte definitiv mehr Gewicht auf das Design und die Ästhetik gelegt werden. Ein Hilfsmittel muss nicht aussehen, wie ein Hilfsmittel.
Danke, liebe Kerstin,
für deine Offenheit
und die ehrlichen Einblicke in deine Arbeit
und die Haltung und Werte,
für die HOGGI steht.
🧡