FiNiFuchs fragt nach

Im Gespräch mit Björn, Gründer von STREHL Kinderrehatechnik,
über Sinn, Verantwortung und die Zukunft der Hilfsmittelversorgung für Kinder.

 

„Wir sind davon angetrieben, 
immer die beste Lösung zu erfinden, 
damit Kinder und ihre Familien ein sorgfreieres 
und glücklicheres Leben haben können.“

1. Wer bist du?


Stell dich bitte kurz vor: 
Wer bist du – und wie bist du ins Sanitätshauswesen gekommen?

Ich bin Björn, der Gründer von STREHL Kinderrehatechnik. Als 11-Jähriger war ich selbst schwer erkrankt und hatte viel Kontakt zu Orthopädietechnikern – das waren damals meine Alltagshelden. So wurde ich selbst Orthopädietechniker und machte mich mit 24 Jahren selbstständig, mit dem Ziel, Versorgungen außerhalb des Standards zu bauen.

Was hat dich an der Arbeit mit Kindern und ihren Familien besonders gereizt?

Der hohe Sinn unserer Arbeit.

Gab es eine Begegnung, die deinen Blick auf diese Arbeit verändert hat?

Ja, absolut. Eine erfahrene Bobath-Therapeutin mit 40 Jahren Erfahrung hat unsere Arbeit immer wieder knallhart hinterfragt. Dafür bin ich unendlich dankbar. Die „Warum?“-Frage kann man sich aus meiner Sicht nicht oft genug stellen, um Kinder rehatechnisch sinnvoll zu versorgen.

 

2. Arbeitsalltag & Motivation

 

Wie sieht ein typischer Tag bei dir im Sanitätshaus aus?

Abwechslungsreich: Abstimmung mit Kolleg:innen aus Außendienst, Auftragskoordination und Werkstatt sowie regelmäßiger Austausch mit Therapeut:innen und Einrichtungen. Mir ist wichtig zu beobachten, was draußen passiert: Was brauchen unsere kleinen Kund:innen und ihre Familien gerade? Welche Innovationen können wir sinnvoll integrieren oder selbst entwickeln?

Was macht dir an deiner Arbeit am meisten Freude?

Mich treiben Lösungen und Verbesserungen an. Es macht mir große Freude, aus Problemen echte Lösungen für unsere kleinen Kund:innen zu machen – jeden Tag aufs Neue.

Was ist im Alltag besonders herausfordernd?

Der Umgang mit Kostenträgern und der damit verbundene hohe bürokratische Aufwand.

Gibt es eine Situation, die dich bis heute begleitet?

Ja. Die Versorgung eines stark spastisch gelähmten 14-jährigen Jungen aus Saudi-Arabien, der seit seiner Geburt keinerlei Therapie oder Hilfsmittel erhalten hatte. Wir konnten ihm erstmals das Sitzen ermöglichen – das berührt mich bis heute.

 

3. Hinter den Kulissen der Versorgung

 

Wie läuft bei euch die Hilfsmittelversorgung ab?

Sehr strukturiert. Wir lernen die Kinder und ihre Familien kennen, erfassen Alltag, Wohnsituation und die größten Herausforderungen. Anschließend erfolgt eine umfassende Anamnese – von der Grunderkrankung bis zu allen vorhandenen Restfunktionen. Danach testen wir gemeinsam mit Eltern und Therapeut:innen passende Hilfsmittel, kümmern uns um die Beantragung beim Kostenträger und fertigen oder modifizieren die Versorgung nach Genehmigung. Nach etwa sechs Monaten melden wir uns für einen Hilfsmittel-Check.

Was ist dir dabei persönlich besonders wichtig?

Unsere Sorgfaltspflicht und die Verantwortung für unsere Arbeit. Eine gute, wertschätzende Verbindung zwischen Familien, Therapeut:innen und uns ist essenziell.

Wo braucht es im Prozess besonders viel Geduld?

Ganz klar im Genehmigungsprozess mit den Kostenträgern.

Gibt es etwas, das Eltern oft nicht wissen?

Wir geben den Eltern ein Informationsblatt zum Ablauf einer Hilfsmittelversorgung inklusive realistischer Zeiträume – in vier Sprachen. So entstehen keine Erwartungen, die wir nicht erfüllen können.

Welche Rolle spielt Teamarbeit bei euch?

Ein Team – eine Mission. Niemand kann ohne die anderen arbeiten.

 


Kurz gefragt: 
 

Struktur oder Flexibilität?

Flexibilität!

Sicherheit oder Mut?

Mut!


Was sollte man über Sanitätshäuser unbedingt wissen?

Welcher Versorger hat für meine Probleme die besten Lösungen, die größtmögliche Erfahrung und eine hohe Agilität um mir den Alltag zukünftig zu erleichtern.
 

4. Team & Philosophie

 

Was macht euer Team besonders?

Der klare Sinn unserer Arbeit und die Freude, lebensverbessernde Lösungen zu entwickeln. Wir haben ein sehr gutes gemeinsames Verständnis füreinander und begegnen uns mit großer Wertschätzung.

Wie würdest du eure Haltung beschreiben?

Wir sind davon angetrieben, immer die beste Lösung zu erfinden, damit Kinder und ihre Familien ein sorgfreieres und glücklicheres Leben haben können.

 

5. Persönlicher Blick

 

Gibt es ein Hilfsmittel, das dir besonders im Kopf geblieben ist?

Die Versorgung eines muskelerkrankten Kindes mit einem Roboterarm. Der Junge konnte sich erstmals wieder selbst die Brille aufsetzen – und wir durften diesen Moment miterleben.

Was bedeutet dir deine Arbeit ganz persönlich?

Meine Arbeit macht mich wirklich glücklich. Aus echten Problemen sinnvolle technische Lösungen zu entwickeln und dabei Menschen, Therapeut:innen und ein engagiertes Team zusammenzubringen, ist für mich etwas ganz Besonderes.

 

6. Ausblick & Botschaft

 

Wie siehst du die Zukunft der Hilfsmittelversorgung für Kinder?

Technische Lösungen werden immer besser – sie kommen aber nur dann an, wenn die Lobby der Kinderversorgungen stärker wird.

Welche Veränderungen wünschst du dir für die Branche?

Weniger Bürokratie und deutlich schnellere Genehmigungszeiten. Zwölf Wochen passen nicht zur Kindesentwicklung – hier brauchen wir dringend vereinfachte Verfahren.

Was möchtest du Eltern mitgeben?

Mutig und zuversichtlich bleiben. Kritisch bei jeder Versorgung – und besonders bei der Wahl des passenden Sanitätshauses.



Vielen Dank, lieber Björn, 
für deine Offenheit und 
die ehrlichen Einblicke 
in deine Arbeit und Haltung.
🧡

 

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