
Zwischen Milchregal und Miteinander: So gelingt Inklusion im Einkaufswagen
Tipps, Hilfsmittel und Ideen für entspannte Familienmomente im Supermarkt
Einkaufen mit einem Kind mit Behinderung – Stress oder Chance?
Einkaufen mit einem Kind mit Behinderung – das klingt oft nach Stress statt Alltag. Enge Gänge, laute Geräusche, grelles Licht oder fehlende barrierefreie Wege können Stress für alle Beteiligten bedeuten. Doch mit der richtigen Vorbereitung, passenden Hilfsmitteln und etwas Geduld kann der Supermarktbesuch zu einem schönen, gemeinsamen Erlebnis werden. Wie das gelingen kann, zeigen wir hier.
1. Gute Vorbereitung ist die halbe Miete
Planung ist beim Einkaufen das A und O. Wer die Möglichkeit hat, sollte den Einkauf zu Zeiten erledigen, in denen es ruhiger im Laden ist – etwa am Vormittag oder kurz vor Ladenschluss. Eine feste Einkaufsliste hilft, den Überblick zu behalten, und wiederkehrende Abläufe geben Sicherheit. Kinder wissen dann, was sie erwartet, und können sich besser auf die Situation einstellen.
Auch lohnt sich ein kurzer Anruf im Supermarkt oder Einkaufszentrum vorab: Viele Geschäfte bieten inzwischen barrierefreie Zugänge, rollstuhlgerechte Kassen oder spezielle Einkaufswagen an. So lassen sich unangenehme Überraschungen vermeiden.
2. Hilfsmittel, die das Einkaufen erleichtern
Zum Glück gibt es heute viele praktische Hilfsmittel, die das gemeinsame Einkaufen erleichtern und für mehr Komfort sorgen.
- Einkaufswagen mit Sitzschale oder Halterung: Einige Supermärkte bieten spezielle Einkaufswagen für Kinder mit Behinderung an. Besonders bekannt ist der Ben’s Cart von Wanzl – ein Wagen mit stabiler Sitzschale, hoher Rückenlehne, Sicherheitsgurt und Seitenhalt. Auch der Caroline’s Cart, ursprünglich in den USA entwickelt, wird zunehmend in deutschen Märkten eingesetzt. Er bietet älteren oder größeren Kindern mit eingeschränkter Mobilität eine sichere Sitzmöglichkeit und ermöglicht Eltern, das Kind in Blickkontakt zu behalten. Für Kleinkinder, die eine zusätzliche Haltungs- und Kopfunterstützung benötigen, gibt es den Firefly Go To Shop Cart.
- Mobilitätshilfen: Reha-Buggys, Kinderrollstühle oder Gehtrainer erleichtern die Fortbewegung. Wichtig ist, dass die Wege im Markt breit genug und Aufzüge gut erreichbar sind.
- Geräuschreduzierende Kopfhörer: Für Kinder mit auditiver Überempfindlichkeit – etwa bei Autismus oder sensorischer Verarbeitungsstörung – sind Noise-Cancelling-Kopfhörer oder Ohrenschützer eine große Hilfe.
- Kommunikationshilfen: Symboltafeln, Talker-Apps oder einfache Gebärdenkommunikation helfen, Wünsche und Bedürfnisse auszudrücken. So kann das Kind z. B. „Apfel“, „Pause“ oder „nach Hause“ anzeigen.
- Weitere Alltagshilfen: Abwaschbare Sitzauflagen, Hygienebezüge für Einkaufswagensitze, Einkaufstaschen mit Rollen oder Trolleys können den Unterschied machen.
3. Den Einkauf gemeinsam gestalten
Kinder möchten mitmachen – auch beim Einkaufen!
- Kleine Aufgaben übertragen: Zum Beispiel Obst aussuchen, Waren in den Wagen legen oder das Kartenterminal bedienen.
- Belohnungen einbauen: Eine Pause im Café oder ein kleiner Snack steigern Motivation und Freude.
- Visuelle Unterstützung: Fotos oder Piktogramme helfen, den Ablauf zu strukturieren („Zuerst Milch – dann Brot – dann Kasse“) – ideal für Kinder mit Autismus oder geistiger Behinderung.
4. Elternfreundliche Tipps für mehr Gelassenheit
- Zeitdruck vermeiden: Lieber kleiner einkaufen ohne Hektik als ein großer Wocheneinkauf unter Stress.
- Hilfe annehmen: Viele Märkte bieten Unterstützung an – vom Tragen der Einkäufe bis zur Nutzung spezieller Kassen.
- Barrierefreiheit nutzen: Behindertenparkplätze, automatische Türen, rollstuhlgerechte Gänge und angepasste Toiletten sind essenziell.
- Online-Optionen bedenken: Onlinebestellungen oder Click-&-Collect-Angebote können eine gute Alternative sein und Ressourcen sparen.
5. Verständnis und Sensibilisierung
Leider stoßen Familien mit Kindern mit Behinderung beim Einkaufen manchmal auf Unverständnis. Umso wichtiger ist es, offen zu kommunizieren und freundlich, aber bestimmt Grenzen zu setzen.
Gleichzeitig tragen auch Mitarbeitende in Märkten Verantwortung: Schulungen und Aufklärung über inklusive Kundenbetreuung sind wichtige Schritte zu mehr Verständnis und Inklusion.
Fazit
Einkaufen mit einem Kind mit Behinderung erfordert Planung, Geduld und manchmal kreative Lösungen. Doch mit passenden Hilfsmitteln – wie Ben’s Cart, Caroline’s Cart, Reha-Buggys, Kopfhörern oder Kommunikationshilfen – sowie gutem Zeitmanagement kann der Einkauf zu einer wertvollen Alltagserfahrung werden.
Er stärkt die Selbstständigkeit des Kindes, fördert Teilhabe und zeigt: Inklusion beginnt auch zwischen Obstregal und Kasse.
Tipps aus der Community:
Die Blicke, die man erntet, wenn man mit einem Kleinkind im Rollstuhl unterwegs ist, sind für mich oft stressig und anstrengend. Aber ich gehe dennoch gerne mit meinem Kind einkaufen, um dessen Selbstständigkeit zu fördern und zu sehen, wie viel Spaß es dabei hat.
Eine weitere tolle Einkaufswagenlösung ist der GoTo Shop Cart von Firefly by Leckey. Dieser Einkaufswagen ist auch für Kinder geeignet, die alleine nicht stabil sitzen können und nur wenig Kopfkontrolle haben. Der GoTo Shop Cart ist bei Sunrise Medical erhältlich. Ohne angepasste Einkaufswagen sind Kinder mit besonderen Bedürfnissen oft vom Einkaufserlebnis ausgeschlossen.
In unserem Einkaufsmarkt wurde extra ein Wagen für größere Kinder mit Beeinträchtigungen angeschafft. Das erleichtert uns das Einkaufen mit unserem Kind enorm.