
Multifunktionale Kinderhilfsmittel
Ein Hilfsmittel, viele Anwendungsbereiche: Effizienz und Alltagserleichterung für Familien und Pflegekräfte
Die Versorgung von Kindern mit körperlichen oder mehrfachen Beeinträchtigungen stellt besondere Anforderungen an Eltern, Pflegekräfte und Therapeuten. Kinderhilfsmittel übernehmen hier eine zentrale Rolle: Sie unterstützen Mobilität, Hygiene, Ernährung, Kommunikation und Teilhabe. Besonders im Fokus stehen zunehmend multifunktionale Hilfsmittel, die mehrere Anwendungsbereiche abdecken – wie beispielsweise ein Toiletten- und Duschstuhl in einem.
1. Was sind multifunktionale Kinderhilfsmittel?
Multifunktionale Hilfsmittel sind so konzipiert, dass sie mehrere Aufgaben erfüllen oder sich flexibel an verschiedene Situationen und Umgebungen anpassen lassen. Statt mehrere Einzelgeräte anzuschaffen und zu nutzen, wird ein kombiniertes Hilfsmittel eingesetzt, das verschiedene Funktionen übernimmt.
Beispiele für multifunktionale Kinderhilfsmittel:
- Toiletten-/Duschstühle: Diese ermöglichen sowohl den Toilettengang als auch die Körperpflege unter der Dusche. Einige Modelle sind höhenverstellbar, neigbar und fahrbar.
- Stehtrainer mit Sitzfunktion: Kinder können zunächst im Sitzen therapiert und dann in die Stehposition gebracht werden – ohne Umlagerung.
- Kombinierte Reha-Buggys: Solche Modelle erlauben die flexible Nutzung unterwegs und dienen gleichzeitig als Ruhe- und Therapieliege. Sie lassen sich in Sitztiefe und Winkel verstellen und mit Zusatzeqipment z.B. als Fahrradanhänger oder zum Skifahren umbauen.
- Therapiestühle mit Tischfunktion: Diese eignen sich sowohl für die Sitzhaltungstherapie als auch als Arbeitsplatz für Schule oder Spiel.
- Mitwachsende Hilfsmittel: Kinderrollstühle oder Stehtrainer, die sich über Jahre hinweg an Größe und Entwicklung des Kindes anpassen lassen.
- Kinderpflegebett mit variabler Nutzung: Moderne Pflegebetten lassen sich in der Höhe verstellen, im Kopf- und Fußbereich verstellen, als Spiel- und Rückzugsort gestalten und sind zum Teil mobil nutzbar. Einige Modelle können auch als Liegefläche für Therapiemaßnahmen dienen.
- Steh-Rollstuhl: Dieser kombiniert Mobilität mit der Möglichkeit, in eine stehende Position gebracht zu werden. Er fördert Kreislauf und Knochendichte und unterstützt therapeutisch notwendiges Stehen – bei gleichzeitigem Erhalt der Mobilität.
- Orthesen mit Zusatzfunktion: Bestimmte Orthesen ermöglichen nicht nur Stabilisierung und Korrektur, sondern auch eine aktive Mobilisierung oder Anpassung für Sport- und Freizeitaktivitäten.
- Lifter als Schaukel: Einige mobile Lifter, aber auch Deckenliftsysteme, lassen sich mit speziellem Zubehör (z.B. seamless Liftertücher) als therapeutische Schaukel nutzen – etwa zur Beruhigung oder sensorischen Integration – und damit doppelt einsetzen.
- Badeliege als mobile Sitzlösung: Eine faltbare, leichtgewichtige Badeliege kann auf Reisen oder unterwegs auch als Sitz- und Liegefläche genutzt werden, wenn kein anderer adäquater Platz zur Verfügung steht.
- Autositz mit Flugzeugzulassung: Spezielle Kindersitze für die Autonutzung lassen sich auch für Flugreisen verwenden, sofern sie zugelassen sind. Sie bieten Sicherheit, Halt und ermöglichen eine durchgehende Versorgung, insbesondere auf Langstreckenflügen.
2. Vorteile multifunktionaler Hilfsmittel
Platzersparnis und Übersichtlichkeit
Gerade im häuslichen Umfeld oder in Einrichtungen mit begrenztem Raum ist es ein großer Vorteil, wenn ein Gerät mehrere Aufgaben übernimmt. Es wird weniger Stauraum benötigt, was Ordnung und Sicherheit erhöht.
Kosteneffizienz
Obwohl multifunktionale Hilfsmittel in der Anschaffung oft teurer sind, können sie langfristig günstiger sein. Es entfällt die Notwendigkeit, mehrere Einzelgeräte anzuschaffen, zu warten oder regelmäßig zu ersetzen.
Zeiteinsparung und Alltagserleichterung
Pflegekräfte und Eltern profitieren von der schnelleren Umsetzung täglicher Routinen. Ein Hilfsmittel, das nicht umgebaut oder gewechselt werden muss, spart Zeit – z. B. beim Übergang vom Toilettengang zur Dusche.
Förderung der Teilhabe
Ein multifunktionales Hilfsmittel, das schnell angepasst werden kann, erleichtert Kindern die Teilnahme an verschiedenen Aktivitäten – sei es im häuslichen Umfeld, in der Kita und Schule oder im sozialen Kontext.
Reduktion körperlicher Belastung
Weniger Transfers und Umlagerungen bedeuten weniger Anstrengung und Unruhe für das Kind sowie eine geringere körperliche Belastung für Eltern und Pflegepersonen – ein wichtiger Faktor, insbesondere bei pflegebedürftigen Kindern, die älter und damit auch schwerer werden.
3. Mögliche Nachteile und Herausforderungen
Kompromiss bei Spezialfunktionen
Multifunktionalität kann bedeuten, dass das Hilfsmittel in keiner Funktion zu 100 % spezialisiert ist. Ein kombinierter Dusch-/Toilettenstuhl bietet möglicherweise weniger Komfort beim Duschen als ein reiner Duschstuhl. Ein Lifter, der auch als Schaukel dient, kann nicht gleichzeitig zum Heben genutzt werden.
Komplexität der Bedienung
Multifunktionale Geräte können technisch aufwendig sein. Eine umfassende Schulung und Einarbeitung ist oft nötig – sowohl für Angehörige als auch für Fachpersonal.
Anschaffungskosten und Genehmigung
Obwohl langfristig kosteneffizient, können die Anschaffungskosten zunächst hoch sein. Die Genehmigung durch Krankenkassen ist teils langwierig und erfordert eine detaillierte Begründung, insbesondere wenn mehrere Nutzungsarten angegeben werden.
Wartung und Reparatur
Ein Ausfall betrifft sofort mehrere Funktionen – was problematisch sein kann, wenn kein Ersatzgerät zur Verfügung steht. Auch Ersatzteilverfügbarkeit ist oft komplexer.
Fazit
Multifunktionale Kinderhilfsmittel bieten viele Vorteile für Familien, Pflegepersonen und Einrichtungen: Sie ermöglichen Flexibilität, sparen Zeit und Raum und fördern eine alltagsnahe Versorgung. Die Beispiele zeigen, wie vielfältig diese Hilfsmittel einsetzbar sind – vom Sthrollstuhl über mobile Duschhilfen bis hin zu Transportlösungen im Flugzeug. Dennoch bedarf es bei der Auswahl einer sorgfältigen Abwägung zwischen Funktionalität, Alltagstauglichkeit und individueller Passform für das Kind. Eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit und Beratung durch Fachpersonen ist essenziell, um den größtmöglichen Nutzen für das Kind und sein Umfeld zu erzielen.
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