
Kind richtig lagern
Wie kann ich mein Kind mit Behinderung gut in liegender und sitzender Position unterstützen?
Warum Lagerung so wichtig ist
Für Kinder, die sich nicht selbstständig oder nur eingeschränkt bewegen können, ist die richtige Positionierung entscheidend. Sie beugt Druckstellen, Fehlhaltungen und Schmerzen vor, erleichtert die Atmung und kann sogar die Verdauung und das Wohlbefinden verbessern. Außerdem sorgt sie dafür, dass dein Kind aktiv am Familienleben teilnehmen kann – statt am Rand zu liegen oder immer in derselben Haltung zu verharren.
Das Ziel dabei ist: so viel Unterstützung wie nötig, so viel Bewegungsfreiheit wie möglich.
Wo kann ich mein Kind lagern?
Je nach Anlass und Tageszeit eignen sich unterschiedliche Orte und Hilfsmittel für die Lagerung. Hier ein Überblick über gängige Optionen:
- Im Kinderpflegebett: Das Bett ist meist der zentrale Ort für die Nacht, aber auch tagsüber wichtig. Höhenverstellbarkeit erleichtert die Pflege, Seitengitter geben Sicherheit und eine druckentlastende Matratze verhindert Druckstellen.
- Auf dem Sofa oder einer Liege: Praktisch für den Alltag, wenn dein Kind mitten im Familiengeschehen dabei sein soll. Achte auf genügend Platz für Lagerungshilfen und eine rutschfeste Unterlage.
- Auf der Spielmatte oder Therapieliege am Boden: Der Boden ist oft der freieste Ort – hier kann dein Kind sich ausbreiten, Arme und Beine bewegen und gleichzeitig sicher spielen.
Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern
Damit Lagerung nicht zur Herausforderung wird, gibt es eine Reihe von Hilfsmitteln, die sich im Alltag bewährt haben:
- Keilkissen und Schräglagerungskeile – sie helfen bei einer leichten Schräglage und entlasten bestimmte Körperstellen.
- Lagerungsrollen oder Halbrollen – stützen Arme und Beine, stabilisieren die Seitenlage oder sorgen einfach für etwas Abstand.
- Kissen in H-Form oder Nestchen-Kissen – umrahmen den Körper sanft und verhindern, dass dein Kind zur Seite wegrutscht.
- Modulare Lagerungssysteme – bestehen aus verschiedenen Polstern und Rollen, die sich flexibel kombinieren lassen – je nach Situation und Bedürfnis.
- Umlagerungs- und Wendehilfen – spezielle Laken oder Auflagen erleichtern es, dein Kind sicher und schonend in eine andere Position zu bringen.
- Spezialmatratzen – verteilen den Druck gleichmäßiger; sie sind eine gute Ergänzung, ersetzen aber nicht regelmäßige Positionswechsel.
- Sitz- und Positionierungsstühle – geben im Sitzen Stabilität und ermöglichen so aktive Teilnahme beim Spielen oder Essen.
- Standgeräte – bieten Kindern, die nicht eigenständig stehen können, die Möglichkeit zur Aufrichtung; das stärkt Knochen, Muskeln und Teilhabe.
Alle diese Hilfen sollten individuell angepasst werden, am besten in enger Abstimmung mit Therapeut:innen oder Rehatechniker:innen.
Worauf sollte ich achten?
- Individuell anpassen: Keine Lagerung ist „von der Stange“. Jedes Kind reagiert unterschiedlich, besonders bei Muskelspannung oder Spastik.
- Stabil, aber nicht fixiert: Hilfen sollen Halt geben, aber keine Bewegung komplett verhindern.
- Hygiene und Material: Abnehmbare, waschbare Bezüge sind Gold wert. Achte außerdem auf atmungsaktive und angenehme Materialien.
- Positionswechsel nicht vergessen: Selbst mit Spezialmatratze gilt: Liegen in einer Haltung sollte nicht zu lange dauern.
- Auf dein Kind hören: Wenn es unruhig wird, die Atmung schwerer fällt oder das Gesicht Anzeichen von Unwohlsein zeigt, ist die Position vielleicht nicht passend.
- Regelmäßig neu denken: Kinder wachsen, Muskeln verändern sich – und damit auch die Anforderungen an die Lagerung.
Wie lange in einer Position bleiben?
Eine feste Zeitregel gibt es nicht, weil jedes Kind anders ist. Als Orientierung gilt: Kinder, die sich selbst wenig bewegen, sollten spätestens nach zwei Stunden umlagert werden, im Sitzen oft schon nach einer kürzeren Zeit. Bei guter Druckentlastung und Wohlbefinden kann eine Position auch mal länger gehalten werden – solange du Haut, Atmung und Stimmung deines Kindes im Blick behältst.
Ein Lagerungstag in der Praxis (Beispiel)
So könnte ein Alltag aussehen – bitte achte immer auf die individuellen Bedürfnisse deines Kindes:
- Morgens: Start in Rückenlage im Pflegebett, mit kleinen Kissen unter den Beinen. Danach Wechsel in eine sanfte Seitenlage.
- Vormittags: Sitzphase im Positionierungsstuhl am Frühstückstisch.
- Mittags: Zeit auf der Spielmatte, um freier zu bewegen und zu spielen.
- Nachmittags: Ruhige Liegephase auf dem Sofa mit Rollenunterstützung und Vorlesen zur Entspannung.
- Abends: Zurück ins Pflegebett – leichte Schräglage zum Einschlafen, nachts Positionswechsel in Seitenlage.
Fazit
Richtig lagern bedeutet nicht, das Kind „stillzulegen“, sondern ihm Stabilität, Schutz und Bewegungsfreiheit zugleich zu geben. Es geht um eine Balance zwischen Halt und Freiheit – angepasst an die individuellen Bedürfnisse deines Kindes. Mit den passenden Hilfsmitteln und in enger Zusammenarbeit mit Fachleuten findest du eine Lagerung, die den Alltag erleichtert und dein Kind stärkt.