Hilfsmittel auf Zeit

Wir benötigten ein Hilfsmittel für unser Kind – aber nur für einen begrenzten Zeitraum. Und nun? 

 

Euer Kind ist auf ein oder mehrere Hilfsmittel angewiesen, um seinen Alltag zu meistern und dementsprechend seid ihr ausgestattet, etwa mit einem Rehabuggy, einem Therapiestuhl oder einem Kinderpflegebett. Was aber macht ihr, wenn sich der Bedarf eures Kindes kurzfristig ändert, etwa im Rahmen der Rehabilitation nach einer Operation, und ihr neue Hilfsmittel für diesen geänderten Bedarf benötigt? Oder – und das ist die wesentlich schönere Variante – ihr fahrt in den Urlaub und könnt aus logistischen Gründen nicht alle benötigten Hilfsmittel mitnehmen. Der Bedarf bleibt also der gleiche, aber ein Ortswechsel macht eine kurzfristige und zeitlich begrenzte Hilfsmittelversorgung notwendig. Wie könnt ihr flexibel auf den geänderten, aber zeitlich begrenzten Bedarf reagieren? Das erläutern wir euch in diesem Artikel. 
 
 

1. Temporär benötigte Hilfsmittel: Was zählt dazu?


Unter temporär benötigten Hilfsmitteln versteht man Geräte und Hilfsmittel, die nur für einen begrenzten Zeitraum zum Einsatz kommen, zum Beispiel (Auswahl): 

  • Liegerollstühle nach Hüft- oder Beckenoperationen: Diese unterstützen das Kind während der Heilungsphase, um Mobilität zu gewährleisten und die Genesung zu fördern.
  • Zweites Kinderpflegebett im Erdgeschoss: Für die Zeit nach einer Operation oder bei akuten Einschränkungen kann ein zusätzliches Bett im Erdgeschoss den Alltag erheblich erleichtern. Etwa um einen Transfer in ein weiter oben gelegenes Kinderzimmer zu ersparen.
  • Mobiler Lifter: Für die Unterstützung beim Transfer während der Rehabilitationsphase oder bei vorübergehender Mobilitätseinschränkung.
  • Lagerungsorthesen: Etwa nach einer Operation, um das Operationsergebnis langfristig zu sichern
  • Spezielle Kinderfahrräder oder Fahrradanhänger: Für den Urlaub, wenn das Kind zwar auf ein angepasstes Fahrrad angewiesen ist, der Transport von zuhause aber schlicht nicht möglich ist.
  • Rehabuggy: Wenn das Kind im Urlaub aktiv am Geschehen teilnehmen möchten (z.B. am Strand), eine Mitnahme im Auto aus Platzgründen aber nicht möglich ist, etwa weil der Rollstuhl als Transportmöglichkeit im Pkw genutzt wird, dieser aber nicht Outdoortauglich ist.
  • Dusch-/Toilettenstuhl: Um das Kind auch während des Urlaubs bestmöglich versorgen und pflegen zu können. Je nach Größe des Hilfsmittels und Art der Reise (z.B. Flugreise) ist eine Mitnahme aus logistischen Gründen jedoch nicht möglich.

 

2. Warum temporäre Hilfsmittel sinnvoll sind


Der Einsatz temporärer Hilfsmittel kann den Heilungsprozess beschleunigen, Schmerzen lindern, die Mobilität sichern und den Alltag der Familie erleichtern. Sie sind oft notwendig, um die Selbstständigkeit des Kindes während der Genesung zu erhalten oder um den Urlaub barrierefrei zu gestalten.

 

3. Wer verleiht temporäre Hilfsmittel?


Es gibt verschiedene Organisationen und Anbieter, die temporäre Hilfsmittel verleihen:

  • Sanitätshäuser und Fachhändler: Einige bieten Verleihservices für spezielle Geräte wie Lifter, Rollstühle oder Pflegebetten an. Im Vorfeld einer Operation werden z.B. spezielle Lagerungsorthesen angefertigt, die dann post OP eingesetzt werden können. Häufig arbeiten die behandelnden Kliniken mit Kooperations-Sanitätshäusern.
  • Krankenkassen: In einigen Fällen übernehmen die Krankenkassen die Kosten für den Verleih oder den Kauf temporärer Hilfsmittel, insbesondere wenn diese medizinisch notwendig sind.
  • Vereine und gemeinnützige Organisationen: Manche Organisationen verleihen Hilfsmittel kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr, z.B. für den Urlaub.


 

4. Finanzierung und Kostenübernahme


Die Kosten für temporäre Hilfsmittel können variieren. Hier einige wichtige Punkte:

  • Krankenkasse: Bei medizinischer Notwendigkeit übernimmt die Krankenkasse in der Regel die Kosten für Verleih oder Kauf. Hierzu ist ein ärztliches Rezept erforderlich.
  • Sozialhilfe / Eingliederungshilfe: Bei längerfristigem Bedarf kann das Sozialamt die Kosten übernehmen. Hier ist ein Antrag notwendig, der die Notwendigkeit belegt.
  • Eigenanteil: Bei manchen Verleihangeboten oder Hilfsmitteln kann ein Eigenanteil anfallen. Es lohnt sich, im Vorfeld genau zu klären, welche Kosten auf die Familie zukommen.
  • Fördermöglichkeiten: Zusätzlich gibt es Förderprogramme, z.B. durch die Aktion Mensch oder spezielle Förderungen der Krankenkassen, die die Anschaffung oder den Verleih temporärer Hilfsmittel unterstützen können.



5. Tipps für Eltern: So finden Sie das passende Hilfsmittel
 

  • Absprache mit Fachärzten und Therapeuten: Diese können die Notwendigkeit und die Dauer des Einsatzes beurteilen und bei der Auswahl helfen.
  • Kontakt zu Krankenkassen und Sozialdiensten: Frühzeitig klären, welche Kosten übernommen werden und welche Anträge notwendig sind.
  • Recherche bei Verleihorganisationen: Informieren Sie sich über lokale Anbieter, Vereine oder Online-Plattformen, die temporäre Hilfsmittel verleihen.
  • Beratung durch spezialisierte Fachhändler: Diese können individuelle Lösungen anbieten und bei der Handhabung unterstützen.

     

6. Hilfsmittel für den Urlaub: Temporäre Unterstützung unterwegs


Der Urlaub ist eine besondere Zeit, in der das Kind oft auf spezielle Hilfsmittel angewiesen ist, um die Reise komfortabel und barrierefrei zu gestalten. Hier einige Beispiele:

Behindertengerechte Kinderfahrräder und Fahrradanhänger: Für den Urlaub im Freien, um gemeinsam aktiv zu sein und Mobilität zu gewährleisten.

Mobiler Lifter: Für Transfers im Hotel oder Ferienhaus, um die Mobilität zu sichern und den Alltag zu erleichtern.

Weitere Reisehilfsmittel: Spezielle Betten, Rampen oder mobile Dusch-/Toilettenstühle, die den Aufenthalt im Urlaub erleichtern.

Viele Verleihfirmen und Organisationen bieten spezielle Urlaubssets an, die für die Dauer des Urlaubs gemietet werden können. Es lohnt sich, frühzeitig zu planen und entsprechende Angebote zu recherchieren.
 

 

7. Fazit: Unterstützung für eine temporäre Phase


Temporäre Hilfsmittel sind eine wertvolle Unterstützung für Familien mit Kindern, die nur vorübergehend auf spezielle Geräte angewiesen sind. Sie erleichtern die Genesung, verbessern die Lebensqualität und ermöglichen eine barrierefreie Freizeitgestaltung. Wichtig ist, frühzeitig die richtigen Ansprechpartner zu kontaktieren, die Kostenübernahme zu klären und passende Verleihmöglichkeiten zu nutzen.

 

Tipps der Community:

 

Nachdem Finja nach der Hüft-OP nicht mehr sitzen konnte, benötigten wir dringend einen Liegendrollstuhl. Glücklicherweise konnten wir diesen leihweise über ein Sanitätshaus erhalten.
Zusätzlich war es uns wichtig, dass sie auch in ihrer Lagerungsschiene sicher und bequem bei uns im Wohnzimmer liegen konnte. Dafür haben wir ein zweites Pflegebett bekommen.

 

Unser PKW (T7) wirkt immer zu klein, wenn wir zu fünft mit Rollikind in den Urlaub fahren. Bei der Anschaffung neuer Hilfsmittel achten wir darauf, dass sie möglichst multifunktional sind – zum Beispiel ein Toilettenstuhl, der auch zum Duschen geeignet ist, oder ein Buggy, der sowohl für Strand als auch Berge taugt.
Verbrauchs- und Pflegehilfsmittel wie Windeln, Katheter oder Desinfektionsmittel bestellen wir vorab in einer Apotheke am Urlaubsort. Das spart Platz.
Einen Strandrollstuhl mieten wir bequem vor Ort.
Wir haben auch schon darüber nachgedacht, ein Pflegebett oder einen Duschstuhl vor Ort – etwa über ein Sanitätshaus – zu leihen. Bisher war das aber noch nicht notwendig.

 

Wir hatten 2022 eine Hüft-OP. Da musste Emma sechs Wochen in ein Lagerungssystem, und wir brauchten eine Rehakarre, in die sie hineinpasste, sowie ein anderes Pflegebett für die Zeit. RAS hat da super geholfen.

 

Wir haben einen Lagerungskeil zur Abspreizung der Hüfte auf Zeit genutzt, um die Fehlstellung der Hüfte durch die starke Innenrotation zu verhindern bzw. auszugleichen. Allerdings waren unsere Erfahrungen damit nicht besonders gut – für den Alltag ist es nicht geeignet, und die Nacht war auch eher schwierig. Mittlerweile nutzen wir ein besseres Hilfsmittel tagsüber, nämlich eine Dero-Twist-Hüftorthese, mit der wir wesentlich besser klarkommen. Es ist für mich – nach meinen Orthesen – das wichtigste Hilfsmittel. Die Hüftorthese wird morgens angelegt und abends wieder ausgezogen. Mit ihr sind wir sehr zufrieden und kommen gut klar.

 

Ein Pflegebett nach der Hüft-OP, bis das eigene Pflegebett geliefert werden konnte: An sich war das unproblematisch. Da die Notwendigkeit gegeben war, haben wir das Bett nach Hause geliefert und aufgebaut bekommen, als wir noch im Krankenhaus waren. Als wir es nicht mehr brauchten, haben sie es nach Rücksprache abgeholt.

 

Wir hatten einen Rehabuggy, bis meine Tochter zuverlässig alleine laufen konnte. Das war alles sehr unkompliziert und wirklich eine Erleichterung. Ohne unsere Orthopädin, die uns damals den Rehabuggy verordnet hat, hätten wir nie gewusst, dass es so eine Möglichkeit gibt. Das war ein echter Gamechanger. Wir hätten diese Information schon viel früher dringend gebraucht.

 

Wir hatten mal den Vitaguard von Getemed zur Überwachung der Vitalfunktionen, aber den haben wir nach zwei oder drei Jahren zurückgegeben, weil es nicht mehr nötig war, unsere Tochter zu überwachen.

 

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