Ein Au-Pair für ein Kind mit Behinderungen

Kinderbetreuung mit Menschen aus fremden Kulturen – 
wie es für alle ein Gewinn wird
 

Weil es in unserer Betreuungssituation immer wieder große Ausfälle gab und das Management von mehreren Minijobbern, die als familienentlastende Maßnahme vom Sozialamt übernommen werden, sehr viel Nerven und Zeit kostet, haben wir uns nun zum ersten Mal für ein Au-Pair entschieden.

Ein Au-Pair ist praktisch ein weiteres Familienmitglied, das nach Deutschland kommt, um unsere Kultur besser kennenzulernen. Dafür, dass es bei uns in der Familie integriert wird, leistet das Au-Pair bis zu 30 Stunden leichte Hausarbeiten in der Woche.

Das geht natürlich nur, wenn man ein extra Zimmer zur Verfügung hat. Bei uns geht Nikes großer Bruder Leo für ein Jahr ins Ausland, weshalb sein Zimmer zur Verfügung steht.

Es gibt noch eine weitere Hürde: Au Pairs dürfen keine Pflege leisten, nur betreuen. Außerdem sollte man ein Au-Pair finden, das vielleicht schon Erfahrung mit behinderten Kindern mitbringt.

Details zu den Bedingungen für Au Pairs


Ein Au-Pair kostet summa summarum etwa 500 EUR pro Monat: 280 EUR Taschengeld, Versicherung, öffentliche Transportkarte, Sprachkursunterstützung und Vermittlungsgebühr für die Agentur. Da ein Au-Pair auch eine günstigere Lösung für das Sozialamt ist als diverse Minijobber, hat sich das Sozialamt bereit erklärt, die Kosten zu übernehmen.

Die meisten Au Pairs werden in den Sommermonaten vermittelt – ideal, wenn sie vor dem kalten Winter und dem Beginn eines neuen Schuljahres anfangen. So ist es für sie einfacher, im Anschluss eine Ausbildungsstelle in Deutschland zu finden.

Wir haben über unsere Community eine Agentur gefunden, die sich darauf spezialisiert hat, Au Pairs für Kinder mit Behinderungen zu vermitteln: Au-Pair Agentur Besondere Sterne.

Nach einem Erstgespräch bekamen wir ein Profil erstellt und Zugang zur Datenbank, über die wir passende Au Pairs suchen und kontaktieren konnten. Meist lief der Kontakt direkt über WhatsApp ab. Dabei haben wir gelernt: Man muss schnell sein, denn gute Au Pairs sind nicht lange in der Datenbank, sie finden schnell Familien.

Nach mehreren Gesprächen haben wir uns für eine junge Frau aus Afrika entschieden. Sobald sie ihr Visum erhält, wird sie Teil unserer Familie sein.

Nun ist es an uns, ihr Jahr hier für alle sinnvoll zu gestalten. Da ich selbst als 15-Jährige ein Jahr bei einer Familie in den USA gelebt habe, weiß ich, dass es anfangs große kulturelle Hürden gibt: Das Leben in einem anderen Land, mit fremder Kultur, Sprache und ohne bekannte Menschen ist eine Herausforderung. Deshalb haben wir überlegt, was besonders anders und wichtig sein könnte. Hier sind ein paar Ideen:

Alltag & Haushalt

  • Mülltrennung: Papier, Plastik, Restmüll, Bio, Glas – in Deutschland sehr wichtig und manchmal verwirrend.
  • Pünktlichkeit: Termine und Alltag sind sehr zeitlich strukturiert.
  • Haushaltsgeräte: Spülmaschine, Waschmaschine, Induktionsherd, Kaffeemaschine – eine geduldige Einführung hilft.
  • Wasser- und Energieverbrauch: Kurzes Duschen, Licht ausschalten, Fenster stoßlüften statt kippen.
  • Hilfsmittel bedienen: Lifter, Pflegebett, Elektrorollstuhl, Kommunikationsgeräte – am besten ausführlich erklären und ggf. kleine Videos erstellen, die immer wieder angesehen werden können.

Betreuung & Erziehung

  • Erziehungsstil: Partizipation und Kommunikation werden großgeschrieben. Körperliche Züchtigung ist verboten. Kinder dürfen oft mitentscheiden und Gefühle äußern.
  • Tagesabläufe: Feste Schlafens-, Essens- und Spielzeiten können vom gewohnten Rhythmus abweichen.
  • Sicherheitsregeln: Straßenverkehr, Kindersitz, Zebrastreifen, Fahrradhelm, Fenster sichern etc.

Orientierung & Mobilität

  • Bus- und Bahnfahren: Ticketkauf, Fahrpläne lesen (Apps wie DB Navigator oder bwegt).
  • Weg zur Schule, Kita oder Supermarkt: Anfangs gemeinsam ablaufen und erklären.
  • Wichtige Orte zeigen: Arztpraxis, Apotheken, Rathaus, Notrufnummern, Post, Bankautomat etc.

Einkaufen & Ernährung

  • Öffnungszeiten: Geschäfte schließen oft früh, sonntags ist meist alles geschlossen.
  • Lebensmittelpreise: Produkte wie Obst, Reis oder Fisch können teurer oder anders sein.
  • Selbstbedienung: Man erwartet, dass man selbst bezahlt und sich zurechtfindet.
  • Essgewohnheiten: Brot zum Frühstück, kaltes Abendessen, wenig warmes Mittagessen – möglicherweise ungewohnt.

Kultur & Gesellschaft

  • Duzen und Siezen: Wer wird geduzt, wer gesiezt?
  • Privatsphäre: Viele Menschen legen Wert auf Abstand und eigene Rückzugsräume.
  • Rassismus/Diskriminierung: Sensibilisieren und Sicherheit vermitteln.
  • Kleidung & Wetter: Jahreszeiten, wettergerechte Kleidung, Zwiebellook, Schuhe für drinnen und draußen.

Sprache & Integration

  • Sprachanregung im Alltag: Viel miteinander sprechen, Fehler freundlich korrigieren, kleine Alltagssätze üben.
  • Deutschkurse: Anmeldung bei VHS oder anderer lokaler Sprachschule.
  • Kontakte ermöglichen: Andere Au-Pairs oder Communities aus dem Heimatland kennenlernen.

Zwischenmenschliches

  • Vertrauen aufbauen: Geduldig sein, viel erklären, Fragen ernst nehmen.
  • Kulturelle Unterschiede ansprechen: Liebvoll kommunizieren, um Verständnis bitten.
  • Feste & Rituale erklären: Weihnachten, Nikolaus, Ostern – Bedeutung und Abläufe vermitteln.

Ein Bericht von Constanze Werdermann

 

Habt ihr noch weitere Tipps, wie ein Au-Pair-Aufenthalt richtig gut gelingt?

 

Ideen, Fragen, Erfahrungen aus der Community:

 

Besondere Sterne ist eine Vermittlungsagentur für Familien mit Kindern mit Behinderung.

 

Das ist eine super Idee, aber nicht für jeden möglich, da bestimmte Kriterien erfüllt werden müssen.

 

Man sollte auch bedenken, dass man dann allerdings weniger Privatsphäre hat, da immer jemand anwesend ist.

 

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