Sitzen: Eine ganz andere Perspektive
Ob spielend auf dem Boden oder essend am Tisch zusammen mit der Familie: Der Sitz ermöglicht Kindern ihre feinmotorischen und kognitiven Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Es beutetet, dass ein Kind anderen Menschen auf Augenhöhe begegnen kann und nicht mehr nur passiv von oben betrachtet wird. Es leitet das Ende der Säuglingsära ein. Für die Auswahl der richtigen Sitzversorgung müssen die individuellen Bedürfnisse des Kindes im Mittelpunkt stehen.
Mit 9 Monaten haben 90% der Kinder ohne Diagnose den freien Sitz erlernt. Kann sich ein Kind bis zu diesem Zeitpunkt nicht selbstständig in höhere Ausgangsposition bringen, bzw. dort nicht stabil halten, ist es sinnvoll eine Sitzunterstützung durch, mit Bedacht gewählten Hilfsmitteln, in Betracht zu ziehen.
Sitzen hat Einfluss auf:
- Soziale Integration und Teilhabe
- Veränderung der Aufmerksamkeit
- Erhöhung der Selbstständigkeit
- Verbesserung der Vitalfunktionen
- Verbesserung der Atmung und Sprache
- Verbesserung der Nahrungsaufnahme, Mund- und Zungenmotorik
- Unterstützung der Feinmotorik durch mehr Spielvariation, da Hände nicht zum Abstützen benötigt, sondern zum Greifen und Erfahren eingesetzt werden können
Optimale Sitzversorgung- Worauf achten?
Für eine zielgerichtete, sichere Bewegung brauchen wir einen stabilen Haltungshintergrund. Wirklich stabil ist nur, was auch nachgeben und sich anpassen kann. So gehen Haltung und Bewegung fließend ineinander über.
Die richtige Position und guter Halt für Becken, Oberschenkel und Füße bildet das Fundament für die Stabilität. So kann sich der Rumpf in der Aufrichtung organisieren und eine Basis für fein abgestimmte Beweglichkeit der Arme und des Kopfes bieten.
So viel wie nötig - so wenig wie möglich
Ein Sitzhilfsmittel, welches überhaupt keine Bewegungsfreiheit zulässt, kann ebenso die Handlungsmöglichkeiten einschränken wie eine zu geringe Stabilität. Arme und Schultern müssen sich frei bewegen können. Man sollte im Sitzen mit dem Oberkörper leicht nach vorne und zu den Seiten gehen können, um z.B. Gegenstände auf dem Tisch erreichen zu können.
Grundsätzlich gilt aber:
Kein Sitzhilfsmittel ist geeignet, um ein Kind darin über mehrere Stunden unbeweglich sitzen zu lassen. Bewegungsfreiheit und vor allem Positionswechsel sind für jedes Kind absolut erforderlich!

Leitfragen bei der Suche nach der optimalen Sitzversorgung:
- Wann ist der richtige (entwicklungsrelevante) Zeitpunkt zu starten?
- Was möchte das Kind im Sitzen tun?
- Wie viel Unterstützung benötigt das Kind für eine ergonomisch entspannte und aktivitätsfördernde Körperposition wirklich?
- In welchem Kontext wird das Hilfsmittel eingesetzt?
- Kann das Hilfsmittel ausprobiert werden?
Individuell gefertigte Sitzversorgungen
Wenn der konfektionierte Therapiestuhl an seine Grenzen stößt, bietet die individuell gefertigte Sitzunterstützung alle Möglichkeiten.
Sitzschalen unterstützen die physiologische Sitzhaltung, sie kompensieren Sitzfehlstellungen und Instabilitäten und beeinflussen die Muskelspannung. Sie geben Halt, lassen dem Patienten jedoch so viel Freiheit wie möglich, um seine Umwelt zu erfassen. Jede Sitzversorgung- nach Maß oder nach individuellem Vakuumabdruck gefertigt- ist ein Unikat und auf die Bedürfnisse und das Krankheitsbild des zu versorgenden Kindes abgestimmt.
Orthetische Versorgungen zur Unterstützung der Rumpfstabilität
Manchmal ist es auch sinnvoll die Unterstützung und Stabilität körpernaher zu setzten. Orthesen, die direkt am Körper getragen werden geben dem Kind in unterschiedlichsten Positionen Halt und korrigieren Fehlhaltungen.
Ein Korsett mit Sitzkannte führt bei die ausgeprägter Kopf- und Rumpfinstabilität zu einer Sortierung der Körperabschnitte im Schwerkraftsfeld.
Oder eine Kompressionssoftorthese sorgt für ein gutes sensorisches Feedback und kann so die Haltung positiv beeinflussen.
Nicht zuletzt ist ein guter Fußkontakt ausschlaggebend für eine sichere Sitzposition. Auch das kann durch entsprechenden Fußorthesen günstig beeinflusst werden.
